Angehörige der Oper des Attentats besuchen die Insel Utöya. | dapd

Trauertage in Norwegen Abschied nehmen auf der Insel

Stand: 19.08.2011 15:40 Uhr

Vier Wochen nach dem Attenat auf der norwegischen Insel Utöya dürfen Angehörige der Opfer den Ort des Geschehens besuchen. Die trauernden Familien und Freunde setzten mittags mit Schiffen zur Insel über, die etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Oslo entfernt liegt.

Abgeschirmt von der Öffentlichkeit können sich sich ein Bild machen von der Situation auf der Insel und Abschied nehmen von ihren Kindern, Freunden oder Verwandten.

Der norwegischen Zivilschutz organisierte das Angebot für Angehörige der 69 überwiegend jugendlichen Todesopfer, die als Teilnehmer des Jugendcamps der regierenden Arbeiterpartei am 22. Juli von dem Attentäter Anders Behring Breivik erschossen worden waren.

Den Verlust besser verarbeiten

Der Besuch soll den Familien helfen, den Verlust besser zu verarbeiten. "Ich glaube, dass der Besuch (den Trauernden) viel bedeutet. Sie können sehen, wo ihre Angehörigen ihre letzten Tage verbracht haben und wo sie gefunden wurden", sagte Gesundheitsministerin Anne-Grete Ström-Erichsen dem Fernsehsender NRK. Von den 69 direkt betroffenen Familien wollten 50 den Tatort besuchen. Insgesamt werden etwa 500 Menschen erwartet.

Den Trauernden stehen Psychologen, Pastoren und Imame zur Seite. Auch die Polizei ist vor Ort, um auf mögliche Fragen der Angehörigen antworten zu können. Seit dem Attentat entsorgten die Behörden Hunderte Patronenhülsen auf der Insel und beseitigten die Spuren des Blutbads.

Am Samstag wollen die Überlebenden mit ihren Angehörigen die Insel aufsuchen, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Etwa 1000 Menschen werden dann auf Utöya erwartet.

Am Sonntag, dem dritten offiziellen Trauertag, ist eine Gedenkzeremonie in Oslo geplant mit Vertretern der Regierung, des norwegischen Königshauses sowie Familien der Opfer, Überlebenden und Rettungskräften. Aus Solidarität ordnete Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie für sein Bundesland am Sonntag Trauerbeflaggung an.

Zweiter Gerichtstermin für Breivik

Wie das Gericht in Oslo entschied, bleibt der Attentäter weitere vier Wochen in Isolationshaft. Breivik hatte bereits gestanden, am 22. Juli im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet und anschließend das Massaker auf Utöya begangen zu haben. Bei beiden Anschlägen kamen insgesamt 77 Menschen ums Leben.