Feuerwehrleute ruhen sich während ihres Einsatzes in der Nähe der Stadt Porto Velho aus. | dpa

Waldbrände in Brasilien "Das ist ein Friedhof"

Stand: 27.08.2019 07:14 Uhr

Brasiliens Präsident Bolsonaro liefert im Kampf gegen die Feuer im Amazonasgebiet kaum Ergebnisse. G7-Hilfsgelder lehnt er ab - dabei warnen Umweltschützer vor gewaltigen Auswirkungen der Brände.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Buenos Aires

Verkohlte Flächen, Feuer, die sich in den Wald fressen, schwarzer Qualm und dichte Rauchwolken. Das zeigen Fernsehbilder, sie sind gefilmt aus einem Überflug des Regenwaldes in der Amazonas-Region Rondônia. An Bord des Flugzeugs ist Rosana Villar von Greenpeace Brasilien. "Das ist nicht nur ein Waldbrand. Das ist ein Friedhof", sagt sie im Interview mit CNN-Journalisten. "Denn alles, was wir sehen, ist tot. Der Amazonas ist absolut fundamental für den Wasserkreislauf im gesamten Kontinent. Ohne diesen Wald gibt es in ein paar Jahren keinen Regen mehr im Süden des Landes."

Anne Herrberg ARD-Studio Buenos Aires

Der Regenwald brennt - und Brasilien, einstiger Klima-Musterknabe, ist ins weltweite Rampenlicht gerückt. Auch das Image als vertrauenswürdiger internationaler Partner ist den Flammen in diesen Tagen zum Opfer gefallen.

"Bolsonaro lebt von persönlichen Konflikten"

Dabei heizt sich die Rhetorik immer weiter auf. Als Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron eine internationale Krise am Amazonas ausrief und die Waldbrände auf die Agenda des G7-Gipfels hob, war für seinen brasilianischen Amtskollegen Jair Bolsonaro der Handschuh geworfen. Das Angebot der G7-Teilnehmer, 20 Millionen US-Dollar für die Brandbekämpfung am Amazonas bereitzustellen, nimmt Bolsonaro als weiteren Affront: "Macron verspricht die Hilfe von reichen Ländern für den Amazonas. Als ob irgendjemand armen Leuten hilft, ohne etwas im Gegenzug dafür zu bekommen. Wer hat es wohl auf Amazonien abgesehen? Was wollen die dort?"

Schon zuvor hatte Bolsonaro Frankreichs Präsidenten eine koloniale Denkweise vorgeworfen. Und sorgte dann mit der Billigung eines sexistischen Facebook-Beitrags über die Präsidentengattin Brigitte Macron für Empörung. Macron erklärte daraufhin, er hoffe, dass die Brasilianer bald einen Staatschef bekämen, der sich angemessen verhalte.

Bolsonaro zelebriere diesen persönlichen Streit, sagt der Politologe Oliver Stuenkel vom Think Tank Fundação Getulio Vargas. "Bolsonaro ist in der Hinsicht wie Trump, der ja auch von Konflikten lebt, der auch Feindbilder braucht, denn die ganze Politik und die Rhetorik ist ja auf Angst basiert und auf Konfrontation", erklärt er. "Deswegen sind diese Attacken auf Macron für ihn gut. Und ich glaube auch nicht, dass die brasilianische Regierung jetzt versucht, ihre Umweltpolitik anzupassen."

Demonstranten tanzen während einer Demonstration in Brasilien | dpa

Bolsonaros verhaltenes Vorgehen gegen die Feuer im Regenwald haben in Brasilien Bürgerproteste ausgelöt. In Rio de Janeiro tanzen Demonstranten während eines Protests auf der Straße. Bild: dpa

Wichtigster Ansatzpunkt: Brasiliens Agrarlobby

Denn Bolsonaro gewann die Wahlen mit dem Versprechen, den Amazonas wirtschaftlich ausbeuten zu wollen. Der massive Anstieg der Abholzung ist genauso Teil davon wie der Abbau von Kontroll- und Schutzmechanismen. Diejenigen, die den Wald schützen wollen, sind für ihn Feinde des Vaterlands. Doch nun wurde es selbst einer seiner wichtigsten Unterstützergruppe zu bunt: Die Agrarindustrie fürchtet wirtschaftliche Blockaden aus Europa.

"Die beste Art und Weise ist hier nicht auf den Präsidenten Druck auszuüben, der an dieser Spannung Interesse hat und der kein Interesse an Freihandel hat", meint deshalb Stuenkel. Besser sei es, Druck auf die Agrarlobby auszuüben, die dann versuchen werde, den Präsidenten zu beeinflussen.

Einen Rettungsplan scheint es nicht zu geben

Umweltminister Ricardo Salles, der enge Verbindungen zum Agrobusiness unterhält, erklärte bereits, die Unterstützung der G7 sei willkommen - während Bolsonaro das Militär in den Kampf gegen die Flammen schickt, aber verbal auf Konfrontationskurs bleibt.

Einen wirklichen Plan, wie mit der Situation umgegangen werden soll, scheint es nicht zu geben. Währenddessen produzieren die Löscheinsätze des Militärs derzeit vor allem TV-Bilder, aber wenig Ergebnisse.

Das Gebiet, um das es geht, ist größer als Europa. Bisher sind nur zwei Löschflugzeuge im Einsatz. Spezialkräfte müssen sich oft stundenlang durch unwegsames Gebiet kämpfen, um zu den Bränden vorzudringen. Mehr Unterstützung, sagen die Gouverneure der Amazonas-Staaten, wäre dringend notwendig.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. August 2019 um 06:51 Uhr.