Proteste gegen Rassismus in Brasilien | dpa

Nach Tötung von Schwarzem Proteste gegen Rassismus in Brasilien

Stand: 21.11.2020 16:26 Uhr

Nach einer Auseinandersetzung mit einer Supermarktmitarbeiterin schlagen in Brasilien weiße Sicherheitsleute einen Schwarzen zusammen. Der Mann stirbt. Die Folge: wütende Proteste in mehreren Städten, die teilweise in Gewalt umschlagen.

Nach dem gewaltsamen Tod eines schwarzen Brasilianers sind in zahlreichen Städten des Landes Menschen auf die Straßen gegangen. In São Paulo, Brasília und Rio de Janeiro gab es am Freitag Kundgebungen und Proteste. Die Demonstranten prangerten Rassismus an und hielten Transparente hoch mit Aufschriften wie "Schwarze Leben zählen" und "Rassismus ist ein Virus".

Das 40-jährige Opfer hatte nach bisherigen Informationen mit seiner Frau in einem Supermarkt in Porte Alegre eingekauft, als es zu einem Streit mit einer Mitarbeiterin kam. Zwei Wachmänner führten den Mann daraufhin in eine Parkgarage. Durch ihre Schläge verlor der 40-Jährige das Bewusstsein. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie einer der Wachmänner auf dem am Boden liegenden Opfer kniet. Dabei wurde dem Mann offensichtlich die Luftzufuhr abgeschnitten. Wiederbelebungsversuche vor Ort blieben erfolglos. Ein Video von der Tat verbreitete sich rasch in Online-Netzwerken und brasilianischen Medien.

 Sao Paulo: Eine Angestellte versucht ein Feuer zu löschen, das von Demonstranten in einem Carrefour-Supermarkt gelegt wurde. | dpa

In Sao Paolo wurde in einem Supermarkt Feuer gelegt. Bild: dpa

Feuer im Supermarkt

Am Freitag kam es zu Protesten in Supermärkten der gleichen Kette, unter anderem in Rio de Janeiro, Brasilia und vor dem Supermarkt in Porto Alegre, in dem die Tat geschah. Hier setzte die Polizei Tränengas und Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben, wie ein örtlicher Fernsehsender berichtete. In Sao Paulo wurde in einem Supermarkt Feuer gelegt.

Der Betreiber des Supermarktes bedauerte den Vorfall und sagte der Familie des Opfers Unterstützung zu. Die Kette kündigte an, den Vertrag mit der Sicherheitsfirma zu beenden, den Filialleiter zu suspendieren und den Supermarkt vorübergehend zu schließen. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei einem der Tatverdächtigen um einen Mitarbeiter der Militärpolizei außer Dienst. Beide Sicherheitskräfte wurden festgenommen.

Regierung weist Rassismusvorwürfe zurück

Die Gewalttat ereignete sich einen Tag vor dem sogenannten Tag des Schwarzen Bewusstseins am Freitag, an dem an den Beitrag der Schwarzen zu Kultur und Identität Brasiliens erinnert wird. Allerdings ist die Diskriminierung von Schwarzen auch in dem größten Land Lateinamerikas weit verbreitet.

Brasiliens rechtsextremer Staatschef Jair Bolsonaro schrieb auf Twitter, ohne die tödliche Prügelattacke konkret zu nennen, Brasiliens Probleme lägen "jenseits von Rassenfragen". Das "große Übel" im Land sei vielmehr die "moralische, soziale und politische Korruption".

Später warnte er vor einer Spaltung der Gesellschaft. "Ich will den brasilianischen Nationalcharakter verteidigen angesichts der Versuche, Spannungen in unser Land zu bringen, die unserer Geschichte fremd sind", sagte Bolsonaro zu Beginn seiner Rede des virtuellen G20-Gipfels. "Wir sind ein gemischtes Volk. Das ist die Essenz des Brasilianers, die uns die Sympathie der Welt eingebracht hat." Einige wollten dies aber zerstören und an die Stelle der Essen "den Konflikt, die Ablehnung, den Hass und die Spaltung zwischen den Rassen setzen. Immer getarnt als Kampf für Gleichheit oder soziale Gerechtigkeit."

Bolsonaros Vize Hamilton Mourao erklärte, der Tod des 40-Jährigen in Porto Alegre habe nichts mit Rassismus zu tun. "Für mich gibt es in Brasilien keinen Rassismus", sagte er.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. November 2020 um 16:00 Uhr.