Demonstration für Brasiliens Ex-Präsident Lula | Bildquelle: REUTERS

Marsch für Brasiliens Ex-Präsidenten "Sonst kommt die Militärdiktatur zurück"

Stand: 15.08.2018 11:25 Uhr

Er sitzt im Gefängnis, ist aber noch immer Brasiliens beliebtester Politiker. Nun will Ex-Präsident Lula erneut ins höchste Staatsamt. Unterstützt wird er von Tausenden Anhängen.

Von Matthias Ebert, ARD-Studio Brasilien

Müde rollt Rosa Maria ihren Schlafsack aus und macht es sich gemütlich. Fünf Tage lang ist sie marschiert, insgesamt 150 Kilometer, um ein Zeichen zur Unterstützung von Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva zu setzen.

Rosa ist eine von mehr als 5000 Mitgliedern des Lula-Protestcamps in der Hauptstadt Brasilia. Sie fordert, dass der Anführer der brasilianischen Arbeiterpartei zur Präsidentschaftswahl Anfang Oktober zugelassen wird. Ob das gelingt, ist äußerst fraglich.

Lula-Anhänger tragen Masken mit dem Konterfei des Ex-Präsidenten | Bildquelle: AP
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Lula-Anhänger tragen Masken mit dem Konterfei des Ex-Präsidenten

Die Landlosenbewegung ist Lulas größter Rückhalt

Rosa Maria stammt aus dem armen Norden Brasiliens. Dort konnten viele Bauern während Lulas Präsidentschaft ihren Lebensstandard deutlich verbessern. Rosa selbst konnte dank Lulas Bildungsreform als erstes Mitglied ihrer Familie an einer öffentlichen Universität Geschichte studieren.

Rosas Verwandte sind Bauern. Sie waren jahrzehntelang Landlose ohne eingetragenen Landbesitz. "Dank Lulas Agrarreform haben sie nun offizielle Besitzurkunden und können von ihrem kleinen Stück Land nicht mehr vertrieben werden", sagt Rosa.

Die Landlosenbewegung ist Lulas größter Rückhalt. Den kann er derzeit gut gebrauchen. Denn Lula sitzt seit Monaten wegen Korruptionsvorwürfen in Haft. Er soll von einer Baufirma bestochen worden sein. Die Beweislage ist dünn und stützt sich weitgehend auf die Aussage eines einzelnen Kronzeugen.

Deshalb wittert Lula hinter seiner Inhaftierung eine Verschwörung rechter Kreise, die seine Präsidentschaftskandidatur verhindern wollen. Das sieht auch der Gründer der Landlosenbewegung, João Pedro Stedile, so: "Korruption gab es in Lulas Arbeiterpartei. Aber wir kennen Lula seit 40 Jahren und sind überzeugt, dass er selbst nicht korrupt war."

Kundgebung für Brasiliens Ex-Präsident Lula
tagesschau24 15:00 Uhr, 15.08.2018

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Lulas Konkurrent - bekannt für verbale Entgleisungen

De facto führt Lula die Umfragen zur Präsidentschaftswahl an. Er ist mit Abstand der beliebteste Politiker Brasiliens und derzeit der einzige, der den Zweitplatzierten Jair Bolsonaro schlagen könnte.

Bolsonaro - ein ehemaliger Fallschirmspringer und Rechtsaußen der brasilianischen Politik - ist für seine verbalen Entgleisungen bekannt. Im Abgeordnetenhaus lobte er die Folterknechte der Militärdiktatur und fällt regelmäßig durch frauenfeindliche, rassistische und homophobe Kommentare auf. Einer Politikerin attestierte er öffentlich, sie "sei es nicht wert, vergewaltigt zu werden."

Lulas Konkurrent, der Zweitplatzierte Jair Bolsonaro | Bildquelle: AP
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Lulas Konkurrent Jair Bolsonaro

Trotz allem liegt Bolsonaro deutlich vor allen anderen Kandidaten - mit Ausnahme Lulas. Denn viele Brasilianer sehen ihn als Gegenpol zur korrupten politischen Elite ihres Landes. Seit 2014 wurden unzählige Korruptionsfälle um die Konzerne Petrobras und Odebrecht aufgedeckt, die mächtige Unternehmer und Politiker zu Fall brachten. Gegen die Mehrheit der Kongress-Abgeordneten wurde bereits wegen Korruption ermittelt. Dazu schwächelt die Wirtschaft. Viele Brasilianer haben Angst, in die Armut abzurutschen.

Brasilien ist gespalten

Brasilien ist gespalten. Auf der einen Seite empfanden viele Brasilianer die Amtsenthebung von Lulas Nachfolgerin Dilma Rousseff 2016 als eine Art "Staatsstreich" und sehen die Verhaftung von Ex-Präsident Lula da Silva als politisch motiviert an.

Auf der anderen Seite setzen viele auf den selbst ernannten Politik-Außenseiter Jair Bolsonaro, der mit einem wirtschaftsliberalen Konzept antritt und die Reservate der indigenen Völker Brasiliens abschaffen möchte. Ein Vorstoß, der der Agrarlobby Brasiliens gefallen dürfte, schließlich werden dringend neue Anbauflächen für die Agrarexporte nach Europa und China gesucht.

Im Lula-Protestcamp in Brasilia hat Vitoria Prisca Angst. Die 24 jährige Literatur-Studentin aus Sao Paulo glaubt, "wenn Bolsonaro Präsident wird, kommt die Militärdiktatur zurück". Sie will deshalb entweder Lula ihre Stimme geben oder dessen Ersatz-Kandidaten Fernando Haddad.

Der Ex-Bürgermeister von Sao Paulo soll antreten, sollte Lula am Ende nicht als Kandidat zugelassen werden. Die Hoffnung ist, dass dann möglichst viel Popularität von Lula auf Haddad übertragen wird. Es ist ein riskantes Manöver mitten im brasilianischen Wahlkampf.

Weichenstellung für die Wahl in Brasilien: Wer darf antreten?
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
15.08.2018 14:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in Info am Mittag am 15. August 2018 um 12:10 Uhr.

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