Luiz Inacio Lula da Silva | Bildquelle: AP

Wahl in Brasilien Inhaftierter Lula offiziell registriert

Stand: 16.08.2018 08:56 Uhr

Der frühere brasilianische Präsident Lula ist offiziell als Kandidat für die Wahl registriert - obwohl er derzeit im Gefängnis sitzt. Es ist aber unklar, ob er im Oktober antreten darf.

In Brasilien hat die Arbeiterpartei PT die umstrittene Kandidatur des inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva auf den Weg gebracht. Begleitet von Tausenden Sympathisanten schrieb sie den 77-Jährigen ins Wahlregister ein. Auf Transparenten und in Sprechchören forderten die Demonstranten die Freilassung von Lula.

In Umfragen führt der ehemalige Gewerkschafter, der von 2003 bis Ende 2010 Präsident war, mit großem Abstand vor all seinen Mitbewerbern.

Fernando Haddad, der sich um die Vizepräsidentschaft bewirbt, verlas vor der Menge eine Botschaft Lulas:

"Ich werde nur nicht Kandidat sein, wenn ich sterbe, aufgebe oder von den Wahlbehörden vom Rennen ausgeschlossen werde. Ich gehe nicht davon aus, zu sterben. Ich werde nicht aufgeben. Und ich werde bis zum Ende für meine Rechte im Wahlrechtssystem kämpfen."

Zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption

Aufgrund seiner Verurteilung in zweiter Instanz gilt es allerdings als unwahrscheinlich, dass das Wahlgericht seine Kandidatur zulässt. Wegen Korruption sitzt Lula gerade eine zwölfjährige Haftstrafe ab. Ausgerechnet ein von ihm selbst eingebrachtes Gesetz verbietet die Bewerbung von Vorbestraften um öffentliche Ämter.

Generalstaatsanwältin Raquel Dodge und eine Reihe rechter Politiker legten direkt nach Lulas Einschreibung Beschwerde gegen die Kandidatur ein. Das Oberste Wahlgericht muss bis zum 17. September eine Entscheidung treffen. "Weil alle Umfragen zeigen, dass ich die Wahl im Oktober leicht gewinnen würde, versucht die extreme Rechte in Brasilien, mich aus dem Rennen zu nehmen", schrieb der Ex-Präsident zuletzt in der "New York Times". "Wenn sie mich schlagen wollen, sollen sie es bei den Wahlen tun."

Gleisi Hoffmann zeigt bei einer Demonstration die Einschreibungsunterlagen von Luiz Inácio Lula da Silva | Bildquelle: AFP
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Gleisi Hoffmann, Vorsitzende der Arbeiterpartei, zeigt bei einer Demonstration die Einschreibungsunterlagen von Lula.

Hauen und Stechen um Stimmen

Kann er nicht antreten, dürfte ein Hauen und Stechen um die Stimmen seiner Anhänger beginnen. Zwar könnte Vizekandidat Haddad von Lulas Popularität profitieren - ob wirklich alle Lula-Fans für die Kopie stimmen, wenn das Original nicht auf dem Wahlzettel steht, ist allerdings fraglich.

Zweitplatzierter in den Umfragen ist der ultra-rechte Ex-Fallschirmjäger Jair Bolsonaro, der gegen Homosexuelle und Minderheiten hetzt und die Militärdiktatur (1964-1985) verherrlicht. Er schockiert immer wieder mit Entgleisungen. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, "weil sie sehr hässlich ist".

Ins Rennen geht auch die frühere Umweltministerin Marina Silva. Die evangelikale Christin aus einfachen Verhältnissen gilt vielen als Hoffnungsträgerin. Kommentatoren bezweifeln jedoch, dass die farbige Politikerin sich in einer Stichwahl gegen den Widerstand der mächtigen Eliten durchsetzen kann.

Insgesamt dürften sich im Oktober wohl 13 Kandidaten um das höchste Amt in dem riesigen Land bewerben. In der zweiten Runde könnte der Mitte-Rechts-Kandidat Geraldo Alckmin davon profitieren, dass viele Wähler den rechtsradikalen Bolsonaro um jeden Preis verhindern wollen.

Zehntausende demonstrieren für inhaftierten Ex-Präsidenten Lula
tagesschau 9:00 Uhr, 16.08.2018

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