Jair Bolsonaro

Kommunalwahlen in Brasilien Bolsonaros Lager kassiert Verluste

Stand: 30.11.2020 10:24 Uhr

Schlappe für Bolsonaro: Die von ihm geförderten Kandidaten haben die Stichwahlen um wichtige Bürgermeisterämter in Brasilien verloren. Nur in fünf weniger bedeutenden Städten setzen sich die Favoriten des Präsidenten durch.

Bei der zweiten Runde der Kommunalwahlen in Brasilien hat der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. Elf von 13 vom amtierenden Staatschef unterstützte Kandidaten verloren am Sonntag das Rennen - darunter das ums Bürgermeisteramt in Rio de Janeiro. Ebenso wie im ersten Wahlgang vor zwei Wochen gingen die traditionell rechte und konservative Parteien als Sieger hervor.

Eine regelrechte Abfuhr der Wählerinnen und Wähler kassierte Bolsonaro in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro, wo Bürgermeister Marcelo Crivella die Stichwahl gegen seinen Mitte-Rechts-Vorgänger Eduardo Paes verlor. Der evangelikale Pastor Crivella hatte im Wahlkampf wiederholt mit Bolsonaro geworben, unterlag Paes aber mit 36 zu 64 Prozent der Stimmen. Paes bezeichnete seinen Erfolg als "Sieg der Politik über Radikalismus".

"Ohne Hass in der Politik sein"

In der größten brasilianischen Stadt São Paulo setzte sich in der Bürgermeister-Stichwahl Amtsinhaber Bruno Covas durch. Er holte rund 60 Prozent der Stimmen, auf seinen linken Herausforderer Guilherme Boulos entfielen 40 Prozent. Covas teilte gegen Bolsonaro und dessen Politikstil aus: "Es ist möglich, ohne Hass in der Politik zu sein."

Auch in der Stadt Fortaleza im Nordosten des südamerikanischen Landes verlor der Kandidat des Präsidenten.

Große Enttäuschung für linkes Lager

Insgesamt waren die Kommunalwahlen für die einst mächtige Linke eine große Enttäuschung. Zum ersten Mal seit 1985 gelang es der lange regierenden Arbeiterpartei PT des ehemaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva nicht, eine einzige Hauptstadt der 26 Bundesstaaten zu gewinnen.

Rund 38 Millionen Brasilianer - ein Viertel der Wähler - waren aufgerufen, in 57 Städten Bürgermeister und Stadträte für vier Jahre zu wählen.

Die Kommunalwahlen waren die erste Abstimmung seit Bolsonaros Amtsantritt. Er reagierte vorerst nicht auf die Ergebnisse.

Wahlstation in Sao Paulo | REUTERS

Rund 38 Millionen Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen. Bild: REUTERS

Bolsonaro nach wie vor beliebt

Der Präsident ist mit Zustimmungswerten von mehr als 40 Prozent in jüngsten Umfragen nach wie vor beliebt. Zuletzt sah er sich jedoch scharfer Kritik ausgesetzt, auch wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie, die er wiederholt als "kleine Grippe" bezeichnet hatte. Brasilien hat mit mehr als 172.000 registrierten Corona-Toten die zweithöchste Todeszahl weltweit. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. November 2020 um 16:05 Uhr.