Eine Jugendliche freut sich über einen gefrorenen Baum im brasilianischen Sao Joaquim-Urupema, nachdem es aufgrund einer Kaltfront geschneit hat. | dpa

Seltenes Wetterphänomen Kältewelle bringt Schnee in Brasilien

Stand: 03.08.2021 11:57 Uhr

Im Süden des Landes können die Brasilianer derzeit ein seltenes Phänomen beobachten: Schnee. Was Touristen in Scharen anlockt, stellt Kaffeebauern vor große Probleme.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Ausgelassene Schneeballschlachten und Selfies im Flockenwirbel - für die Menschen im Süden Brasiliens ist es ein seltenes Schauspiel. Im Bergland von Südbrasilien schneite es in der vergangenen Woche dicke, nasse Flocken. Fast alle Nachrichtensender schalteten in den Süden.

Ivo Marusczyk ARD-Studio Buenos Aires

Eine gewaltige Blase mit kalter Luft aus der Antarktis hatte sich über weite Teile des Landes gelegt. Wobei kalt relativ ist. In São Paulo fielen die Temperaturen auf zehn bis elf Grad plus - aber für das überwiegend tropische Brasilien ist das schon ungewöhnlich kalt. Deshalb baute die Stadt Zelte für Obdachlose auf und verteilte Decken und warme Suppe.

Ernteausfall auf den Kaffeeplantagen

Für andere Menschen ist die Kälte eine Attraktion. Campos do Jordão, die höchstgelegene Gemeinde des Landes, verzeichnete einen Ansturm an Touristen und Ausflugsgästen. Obwohl dort gar kein Schnee fiel, sondern nur Raureif die Felder und Wiesen weiß färbte.

Aber auch das kann reichen, um schwere Schäden anzurichten. In einigen Gegenden des Bundesstaats Minas Gerais, im Südosten Brasiliens haben Reif und Frost Kaffeeplantagen wie die von Paulo Ronaldo teilweise zerstört. "So einen Frost habe ich noch nie gesehen, das war furchtbar, das macht uns kaputt", sagt Ronaldo.

Der Agraringenieur Lucas Bartelga zeigt auf braune, tote Blätter an abgestorbenen Ästen von Kaffeepflanzen. "Einige Pflanzen sind noch stärker betroffen, die haben nicht nur die Ernten für 2022 und 2023 verloren, sie sind zum Teil erfroren und man wird sie drastisch zurückschneiden müssen, zum Teil bis zur Wurzel", sagt Bartelga. Es dauere drei Jahre, bis sie sich davon erholt hätten. Diese Pflanzen würden also erst 2024 wieder Kaffee produzieren.

Ende der Kältewelle noch nicht in Sicht

Das könnte sich sogar auf die Preise auf den Weltmärkten auswirken, sagt er. Brasilien ist der größte Kaffeeproduzent der Welt. Die Kaltfront erreichte sogar den Süden des Amazonasgebiets. Dort ist das sogar eine gute Nachricht, denn die Kälte dürfte dafür verantwortlich sein, dass dort derzeit weniger Brände wüten als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr.

Doch die Kälte bringt auch Trockenheit mit sich - und daher könnte die Lage sich schnell wieder ändern. "Wenn die Kälte nachlässt, könnten wir einen perfekten Sturm erleben, was die Brandsituation betrifft. Die Vegetation wird viel trockener sein, die Luft aber auch viel wärmer", sagt Ane Alencar, wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Amazonas-Umweltforschung IMAP. Deswegen mache sie sich Sorgen, was nach dieser Kaltfront passieren könnte.

In dieser Woche steigen die Temperaturen schon wieder auf normale Werte für die Jahreszeit. Doch ganz zu Ende ist die Kältewelle wohl noch nicht. Der Wetterbericht warnt schon vor neuen Kaltluftmassen, die Brasilien in den nächsten Wochen bis Mitte August erreichen sollen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. August 2021 um 10:50 Uhr.