Blick auf den Felsendom in Jerusalem | Bildquelle: AFP

Verlegung der Botschaft Auch Brasilien will nach Jerusalem

Stand: 15.12.2019 20:28 Uhr

Die USA und Guatemala haben es bereits getan, nun will Brasilien folgen: Nach Angaben von Präsidentensohn Bolsonaro soll die Botschaft des Landes nach Jerusalem verlegt werden. Das sei ein "natürlicher und normaler Schritt".

Brasilien hat eine Handelsvertretung in Jerusalem eröffnet. Offenbar nur ein erster Schritt, denn bei der Einweihung des Büros bekräftigte der Sohn des brasilianischen Präsidenten die Absicht seines Landes, auch die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Das sei ein "natürlicher und normaler Schritt".

Eduardo Bolsonaro sagte im Beisein des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu, Brasilien wolle damit "ein Beispiel für das restliche Lateinamerika" sein. Im Januar hatte Brasiliens rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro Israel seine Unterstützung zugesagt und versprochen, dem Vorbild von US-Präsident Donald Trump zu folgen und Brasiliens Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen.

Status Jerusalems ungeklärt

Mit seiner Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels hatte Trump international für Empörung gesorgt. Sowohl Israel als auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als Hauptstadt für sich - Israel die gesamte Stadt, die Palästinenser den Ostteil Jerusalems.

Wegen des ungeklärten Status der Stadt war es jahrzehntelang diplomatischer Konsens, dass ausländische Staaten ihre Botschaft nicht in Jerusalem ansiedeln. Bislang folgte Guatemala dem Beispiel der USA. Paraguay verlegte zwar zunächst auch seine Botschaft nach Jerusalem, ließ sie aber nach einem Regierungswechsel wieder zurück nach Tel Aviv ziehen. Ungarn eröffnete eine Handelsvertretung in Jerusalem.

Verlegung verzögert sich

Nach Bolsonaros Ankündigung wurden Befürchtungen laut, die Verlegung der Botschaft könnte die für Brasilien wichtigen Fleischexporte in arabische Staaten gefährden. Eduardo Bolsonaro erklärte jedoch, der Umzug verzögere sich nur deshalb, weil Brasilien ihn gründlich vorbereiten wolle.

Der brasilianische Präsident Bolsonaro gilt als Vertrauter des rechtskonservativen israelischen Premier Netanyahu. Bolsonaro hatte Israel eine Woche vor der ersten Parlamentswahl in diesem Jahr besucht und war mit Netanyahu demonstrativ an der Klagemauer aufgetreten.

Im April hatte Bolsonaro dann mit Äußerungen zum Holocaust Zorn in Israel ausgelöst. "Wir können vergeben, aber wir können nicht vergessen", sagte er damals zum Massenmord an den Juden. Dabei stieß der Hinweis auf Vergebung in Israel auf heftigen Widerspruch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Dezember 2019 um 22:00 Uhr.

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