Zwei Tänzerinnen einer Sambaschule unterhalten sich in einer Probenpause. | Bildquelle: AFP

Karneval in Brasilien Die Gesichtserkennung feiert mit

Stand: 01.03.2019 18:58 Uhr

Der Karneval in Rio de Janeiro wird draußen gefeiert. Die Behörden wollen dies nutzen, um Straftäter zu finden. Erstmals kommt eine Gesichtserkennungssoftware zum Einsatz.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Den Karneval feiern Zehntausende, Hunderttausende Menschen in den Straßen von Rio de Janeiro - etwa bei den großen Paraden im "Sambodrom" oder bei den Hunderten Straßenpartys und Umzügen, die in der ganzen Stadt stattfinden.

Doch "Big Brother" schaut den Menschen beim Feiern über die Schulter. Zum ersten Mal sollen Kameras mit Gesichtserkennung eingesetzt werden, um die Menschenmassen zu kontrollieren. In Rios Stadtteil Copacabana werden die Aufnahmen der vorhandenen Verkehrskameras verwendet.

In Salvador da Bahia, im Nordosten des Landes, werden Kameras aufgebaut, die schon mit der Software zur Gesichtserkennung ausgerüstet sind. "Sicherheit geht vor", argumentiert Oberst Anselm Brandao, der Polizeichef des Bundesstaats Bahia. "Das Besondere an diesem Karneval sind die neuen Technologien. Wir haben Kameras mit Gesichtserkennung. Aber auch Drohnen kommen zum Einsatz. Und an allen Zugängen stehen Spürhunde bereit."

Eine Frau tanzt bei der Probe einer großen Sambaschule am Straßenrand. | Bildquelle: AFP
galerie

Verkehrskameras und Drohnen überwachen die Menschen im brasilianischen Karneval.

Großbritannien und China machen es vor

Das neue System soll bis Aschermittwoch in Betrieb sein. Die Gesichtserkennung soll, so die offizielle Begründung, dazu dienen, Straftäter zu identifizieren, nach denen gefahndet wird.

In Rio wird dazu das Facewatch-System verwendet, das auch in Großbritannien schon im Einsatz ist. Im System wurden die Gesichter von 1100 Straftätern hinterlegt, der Computer soll Alarm schlagen, wenn sich einer von ihnen in Copacabana unter die Feiernden mischt.

In Salvador da Bahia wird eine Software eingesetzt, die auch Behörden in China nutzen. Dort werden bekanntlich auch kleinere Vergehen wie Müll-Wegwerfen oder die Missachtung roter Ampeln verfolgt.

Der Blick hinter die Verkleidung

Bleibt die Frage, warum der Testlauf ausgerechnet im Karneval startet - schließlich sind sonst nicht so viele geschminkte, verkleidete und maskierte Menschen auf den Straßen unterwegs.

Die Behörden hoffen, dass die Software sogar noch hinter die Masken schauen kann und sich von Verkleidung nicht täuschen lässt.

"Selbst, wenn die Person sich sehr verändert, zum Beispiel an Gewicht zunimmt oder abnimmt, bleibt die Position der Augen die gleiche. Und der wichtigste Faktor für eine hochwertige Gesichtserkennung ist nun einmal der Abstand zwischen den Augen," sagt Matteus Torres, Techniker im Polizei-Einsatzzentrum von Rio.

Datenschutz-Bedenken kennt man in Südamerika eigentlich generell nicht. Solche Kameras sind auch nicht ganz neu - in brasilianischen Einkaufszentren oder Flughäfen gibt es sie schon. Neu ist, dass sie auch im Freien und im Karneval verwendet werden.

Brasilien testet Gesichtserkennung - ausgerechnet im Karneval
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
01.03.2019 18:13 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2019 um 05:18 Uhr.

Darstellung: