Ein Helfer vergräbt sein Gesicht in seiner Hand. | Bildquelle: REUTERS

Dammbruch in Brasilien Hoffnung auf Überlebende schwindet

Stand: 28.01.2019 12:38 Uhr

Nach dem Dammbruch in Brasilien steigt die Zahl der Todesopfer - und die Hoffnung schwindet, dass die Rettungskräfte noch Überlebende finden. Das Bergbauunternehmen Vale gerät immer stärker unter Druck.

Nach der Dammbruch-Katastrophe in Brasilien ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 58 gestiegen. Es werden jedoch viele weitere Opfer befürchtet. Wie ein Sprecher des brasilianischen Zivilschutzes des Bundesstaates Minas Gerais sagte, liegt die Zahl der Vermissten bei 305.

Die Rettungskräfte hoffen noch immer, Überlebende zu finden - die Chancen gelten aber als gering und sinken mit jeder Stunde. "Es sind viele Vermisste. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie tot sind, ist erheblich gestiegen", sagte der Minister für regionale Entwicklung, Gustavo Canuto.

1/1

Ausmaße der tödlichen Schlammlawine

Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung durch die Schlammlawine.
Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung durch die Schlammlawine.

Verändern Sie die Darstellung durch Bewegen des Bildschiebers.

Bus mit Leichen entdeckt

Die Suche wurde zu Land und aus der Luft fortsetzt, dabei wurde ein Bus mit Leichen entdeckt. Unklar ist bisher, wie viele Tote es im Inneren des Fahrzeugs gibt. Der Zeitung "O Globo" zufolge wurde noch ein weiterer Bus im Schlamm gefunden. Ob und wie viele Menschen darin saßen, sei noch nicht bekannt.

Dutzende Hubschrauber waren im Einsatz. Das Militär setzte rund tausend Soldaten und Spürhunde ein. Überlebenden wurde es unterdessen gestattet, in ihre Häuser zurückzukehren. 

Suche vorübergehend unterbrochen

Wegen der Gefahr eines weiteren Dammbruchs mussten die Sucharbeiten vorübergehend unterbrochen werden. Gegen 05.30 Uhr Ortszeit (08.30 Uhr MEZ) wurden die Bewohner rund um den Bergbaukomplex Corrego do Feijao über Lautsprecher vor einem gefährlich hohen Wasserstand gewarnt. Die Einsatzkräfte unterbrachen daraufhin ihre Suchaktion und leiteten Evakuierungen ein. Später gaben die Behörden Entwarnung.

Die Katastrophe hatte sich am Freitag in der Gemeinde Brumadinho im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais ereignet. Nach einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken für Bergbauabfälle ergossen sich Millionen Tonnen Schlamm über die Umgebung des Bergwerks. Die Schlammmassen begruben Häuser, Autos und Straßen unter sich.

Konten eingefroren

Inzwischen wächst der Druck auf den Eigentümer des Damms, das Bergbauunternehmen Vale. Die brasilianische Justiz fror bereits elf Milliarden Real (2,6 Milliarden Euro) auf den Konten des Konzerns für mögliche Entschädigungszahlungen ein. Außerdem wurde das Unternehmen vom Staat und vom Bundesstaat mit ersten Strafen in Höhe von 81 Millionen Euro belegt. 

Der 1976 gebaute und 86 Meter hohe Unglücksdamm war stillgelegt und zum Abriss vorgesehen. Wie es zu dem Unglück kam, ist noch unklar. Vale beteuert, eine Inspektion des TÜV Süd habe im September keine Beanstandungen ergeben. Auch bei einer weiteren Kontrolle im Januar seien keine Mängel festgestellt worden.

Im Jahr 2015 gab es in Minas Gerais schon ein ähnliches Unglück. Bei der "Tragödie von Mariana" kam es in einem Eisenerzbergwerk zu einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken. Seinerzeit kamen 19 Menschen ums Leben. Das damalige Betreiberunternehmen Samarco gehörte ebenfalls Vale sowie dem australisch-britischen Konzern BHP. Eine riesige Welle mit Schlamm und schädlichen Stoffen ergoss sich in angrenzende Ortschaften und kontaminierte den Fluss Rio Doce auf rund 650 Kilometern Länge.

1/9

Schlammlawine in Brasilien

Rettungskräfte suche in der Schlammlawine nach Überlebenden

Nach dem Dammbruch in einer Eisenerzmine in Brasilien haben die Rettungskräfte kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden. | Bildquelle: AFP

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 28. Januar 2019 um 16:00 Uhr.

Darstellung: