Eine Aufnahme aus der Luft zeigt das Ausmaß der Zerstörung am Damm des Rückhaltebeckens, der in Brumadinho gebrochen war. | Bildquelle: AP

Dammbruch in Brasilien "Mit Sicherheit sind viele Opfer zu beklagen"

Stand: 26.01.2019 09:51 Uhr

Eine Schlammlawine in Brasiliens Bergbauregion Minas Gerais hat das Umland unter sich begraben. Hunderte Menschen werden vermisst. Der gebrochene Staudamm war erst kürzlich überprüft worden.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Unaufhaltsam wälzte die Schlammlawine sich durch die Kleinstadt Brumadinho und riss alles mit, was ihr in den Weg kam: Hütten, Häuser, Autos, Bäume und Straßen. Von einigen Häusern ragt nur noch der Dachstuhl aus den Schlammmassen.

Die Stadtverwaltung versuchte noch, tiefer liegende Stadtteile zu evakuieren, aber diese Warnung kam für einige Menschen wohl zu spät. Doch meisten Opfer dürften dort zu beklagen sein, wo die Katastrophe begann: In einem Eisenerz-Bergwerk oberhalb der Stadt. Dort war der Damm eines Rückhaltebeckens gebrochen.

Vermutlich viele Opfer nach Dammbruch in Brasilien
tagesschau24 09:00 Uhr, 26.01.2019

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Zum Zeitpunkt des Unglücks waren mehr als 400 Arbeiter in dem Bergwerk; 150 von ihnen werden vermisst. Pedro Aihara, der Sprecher der Feuerwehr, erklärte: "Wir gehen derzeit von 200 bis 300 Opfern aus, denn außer den 150 Arbeitern lebten dort ja auch viele Menschen." Neun Leichen wurden bislang geborgen.

Die Einsatzkräfte wüssten schon, dass ein Hotel betroffen sei und die Schlammmassen auch Waggons eines Zugs erfasst hatten, der gerade in der Nähe war. "Unsere größte Herausforderung ist, dass wir nicht wissen, wo sich die Vermissten zuletzt aufgehalten haben", sagte Aihara. "Dorthin müssen wir, denn in diesen ersten Stunden sind die Chancen am größten, noch Überlebende zu finden."

Ein Mann steht vor seinem Haus, das von dem Dammbruch bei Brumadinho getroffen wurde. | Bildquelle: dpa
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Ein Mann steht vor seinem Haus, das von dem Dammbruch bei Brumadinho getroffen wurde.

Verzweifelte Suche nach Angehörigen

Menschen suchten verzweifelt nach ihren Angehörigen, an der Unglücksstelle oder mit einer Nachricht über soziale Netzwerke - so wie Daniela Batista: "Meine Schwester Fernanda Batista de Nascimento ist 20 Jahre alt, sie war heute an der Mine 'Corrego do Feijao', wo sie als Praktikantin arbeitete", erzählt sie in einer Sprachnachricht. "Um halb elf habe ich noch mit ihr gesprochen. Wer uns helfen kann, wer sie gesehen hat, wer sie kennt, bitte - sagt uns Bescheid!"

Fünf Hubschrauber suchten nach Überlebenden - doch nur wenige konnten schwer verletzt aus dem Schlamm gezogen werden.

Fábio Schvartsman, der Chef des Bergbaukonzerns Vale, sagte, das Staubecken habe sich zum Großteil geleert. "Mit Sicherheit sind viele Opfer zu beklagen. Bis jetzt kennen wir weder das Ausmaß noch die Ursachen. Aber ich möchte ihnen mitteilen, wie betroffen und traurig wir über die Ereignisse sind. Es gibt keine Worte für den Schmerz, den ich empfinde."

Das Unglück ereignete sich im Bundesstaat Minas Gerais im Südosten Brasiliens, in der Nähe der Regionalhauptstadt Belo Horizonte. Eine der wichtigsten Abbauregionen für Eisenerz weltweit.

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Schlammlawine in Brasilien (26.01.2019)

Rettungskräfte suche in der Schlammlawine nach Überlebenden

Nach dem Dammbruch in einer Eisenerzmine in Brasilien haben die Rettungskräfte kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden. | Bildquelle: AFP

Erinnerungen an Umweltkatastrophe von 2015

"Dieses Mal ist es eine menschliche Tragödie. Denn wir reden über womöglich sehr viele Opfer", sagte Schvartsman. "Wie viele genau, wissen wir nicht, aber es sind wohl viele."

Dieses Mal - denn das Unglück weckt fatale Erinnerungen an die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens. Vor drei Jahren war in einem anderen Bergwerk desselben Konzerns in Minas Gerais der Damm eines Klärbeckens gebrochen. Die Schlammmassen hatten damals ein Dorf verschüttet, 19 Menschen kamen ums Leben.

Doch die Folgen waren noch schwer. Der mit Schwermetallen und anderen Giftstoffen belastete Schlamm vergiftete den Rio Doce. Der Fluss war nach der Katastrophe biologisch tot, die Trinkwasserversorgung vieler Orte am 650 Kilometer langen Flusslauf ist zum Teil bis heute ein Problem.

TÜV-Süd prüfte im September das Rückhaltebecken

Bis jetzt ist nicht klar, ob der Schlamm auch diesmal auch mit Schwermetallen belastet ist. Angeblich war er trockener, dürfte also nicht so weit fließen.

Nilo d'Avila von Greenpeace Brasilien sagte: "Die Kontrolle solcher Dämme ist ein echtes Problem - letztlich legt das Unternehmen fest, ob der Damm in Ordnung ist oder nicht. Aber es gibt nicht genug Spezialisten und Technologie, um diese Bauwerke zu überprüfen."

Laut dem Bergbaukonzern hatte ein deutsches Unternehmen, nämlich der TÜV-Süd, erst im September die Dämme und Rückhaltebecken des Bergwerks überprüft. Der TÜV habe nichts beanstandet.

Dammbruch in brasilianischem Bergwerk löst verheerende Schlammlawine aus
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
26.01.2019 07:32 Uhr

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