Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro setzt eine Schutzmaske gegen das Coronavirus auf. | Bildquelle: REUTERS

Brasiliens Präsident Bolsonaro Kein Umdenken trotz Corona-Infektion

Stand: 08.07.2020 17:15 Uhr

Der brasilianische Präsident will trotz seiner Corona-Infektion weiterregieren. Und dabei behält er seinen Kurs bei, die Pandemie als geringes Risiko einzustufen. Die Folge: Indigenen und Schwarzen wird Hilfe verwehrt.

Stets hat der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die Risiken des Coronavirus klein geredet. Nun zählt er selbst zu denjenigen, die sich infiziert haben. Ein Wandel in der Politik des Staatschefs zeichnet sich aber dennoch nicht ab.

Seine Amtsgeschäfte will Bolsonaro für die kommende Zeit vom Präsidentenpalast in der Hauptstadt Brasilia aus führen. Als erste Amtshandlung nach dem Bekanntwerden seiner Erkrankung lehnte er nun ein Hilfspaket ab, das Indigenen und Schwarzen in der Pandemie zugute gekommen wäre. Behörden wären durch die neuen Regelungen verpflichtet gewesen, diesen Bevölkerungsgruppen Zugang zu Trinkwasser, ärztlicher Versorgung und Desinfektionsmitteln zu garantieren.

Bolsonaro will Regierungsgeschäfte weiterführen

Bolsonaro hatte gestern selbst vor Journalisten erklärt, er sei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zuvor waren bei dem Staatschef Symptome wie leichtes Fieber, Gliederschmerzen und Husten aufgetreten. Es gehe ihm jedoch gut, betonte Bolsonaro. Immerhin sei er früher Athlet gewesen. Er werde nun mit dem Malaria-Mittel Hydroxychloroquin behandelt. Das Medikament ist allerdings umstritten. Medizinische Studien sprechen ihm eine Wirksamkeit bei einer Corona-Infektion ab.

Der Präsident kündigte an, mithilfe von Videokonferenzen weiterregieren zu wollen. Persönliche Treffen und Reisen seien für die kommenden zwei Wochen abgesagt worden.

Mehr als 1,6 Millionen Fälle landesweit

Laut der Johns-Hopkins-Universität ist Brasilien weltweit nach den USA am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen. Mehr als 1,6 Millionen Menschen hätten sich bislang mit dem Virus infiziert und mehr als 66.700 seien infolge einer Ansteckung gestorben.

Keine Maske, kein Abstand

Bolsonaro hatte eine Erkrankung wiederholt als "kleine Grippe" verharmlost und strikte Vorsichtsmaßnahmen gegen die Pandemie abgelehnt. Er selbst widersetzte sich mehrfach den Sicherheitsvorkehrungen, trat etwa bei Veranstaltungen und in der Öffentlichkeit ohne Maske auf.

Brasilianische Medien berichteten, dass Bolsonaro allein in den vergangenen zwei Wochen mit Hunderten Menschen persönlich in Kontakt gekommen war. "Mindestens 66 Politiker, Unternehmer und andere Persönlichkeiten haben in dieser Zeit den Präsidenten persönlich getroffen", schrieb etwa die Zeitung "Folha de São Paulo". Weiterhin hieß es in den Medienberichten, dass sich zahlreiche Manager und mindestens 13 von Bolsonaros Ministern vorsorglich in Quarantäne begeben hätten, nachdem die Infektion des Präsidenten bekannt geworden war.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Juli 2020 um 08:32 Uhr.

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