Aktivisten an der brasilianischen Copacabana heben symbolische Gräber aus. | REUTERS

Corona-Proteste in Brasilien Gräber an der Copacabana

Stand: 12.06.2020 10:01 Uhr

Mehr als 40.000 Virus-Tote in Brasilien: Mit 100 symbolischen "Gräbern" am Strand der Copacabana haben Aktivisten gegen die Corona-Politik der Regierung protestiert. Und weitere Demonstrationen sind angekündigt.

Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus in Brasilien hat die Schwelle von 40.000 überschritten. In Gedenken an die Gestorbenen und aus Protest gegen die Corona-Politik der Regierung sind deshalb am Strand von Copacabana in Rio de Janeiro 100 leere Gräber ausgehoben worden. Freiwillige der Nichtregierungsorganisation Rio de Paz stellten außerdem an jedem der Gräber Kreuze auf. "Das war die schwierigste Demonstration unserer Geschichte", schrieb deren Präsident, Antonio Costa, auf Twitter.

In einem Video der Gruppe war zu sehen, wie ein Anhänger des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro die Organisatoren beschimpfte und die Kreuze im Sand umstieß. Kurz darauf stellte ein Mann, der nach einem Bericht des Portals "G1" auf der Strandpromenade spazieren gegangen war und die Szene gesehen hatte, die Kreuze wieder auf. "Respektiert den Schmerz der Leute", rief er. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Vater, der seinen 25-jährigen Sohn im Zusammenhang mit dem Coronavirus verloren hatte.

Bolsonaro und die "kleine Grippe"

Präsident Bolsonaro verharmlost das Coronavirus als "kleine Grippe" und lehnt jegliche Maßnahmen zur Eindämmung ab. Der Oberste Gerichtshof übertrug daher die Befugnis, Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu verhängen, den Bundesstaaten und Gemeinden. Die werden von Bolsonaro scharf angegangen - für ihre Corona-Restriktionen und deren drosselnden Effekt auf die Wirtschaft des Landes. Mitgefühl für die Angehörigen von Corona-Opfern zeigte Bolsonaro kaum.

Erst in der vergangenen Woche hatte er die bisherige Vorgehensweise bei der Veröffentlichung der Corona-Zahlen geändert, um nach eigenen Aussagen eine neue Methodik anzuwenden. Kritiker warfen Bolsonaro daraufhin vor, er wolle das tatsächliche Ausmaß der Pandemie verschleiern. Das oberste Gericht urteilte am Montag, die Regierung müsse zum alten Format zurückkehren.

Weitere Proteste angekündigt

Bereits seit Wochen gibt es Proteste gegen Bolsonaro und den Umgang der Regierung mit der Pandemie. Unter anderem am vergangenen Sonntag waren in Sao Paulo und anderen brasilianischen Städten Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Jetzt haben die Organisatoren zu weiteren Demonstrationen in verschiedenen Städten am Sonntag aufgerufen. Vor allem organisierte Fußballfans machen Stimmung gegen die Politik Bolsonaros: "Unser Ziel ist zu zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen die tödliche Politik der Regierung und die Drohungen des Bruchs mit der Demokratie ist", sagt Danilo Pássaro, Fan des SC Corinthians und einer der Organisatoren von der Bewegung "Somos Democracia", der Nachrichtenagentur dpa.

Die Fans füllen ein politisches Vakuum, das traditionelle politische Organisationen hinterlassen haben. Die Sozialistische Partei des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Guilherme Boulos und die Arbeiterpartei PT von Ex-Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva unterstützen die Demonstrationen nur.

Für Bolsonaro sind diejenigen, die gegen ihn demonstrieren, "Asoziale" und "Terroristen". Bei den jüngsten Demonstrationen fiel die hohe Präsenz der Militärpolizei auf, der Präsident hatte sogar mit einem Einsatz des Militärs in Brasília geliebäugelt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2020 um 20:00 Uhr.