Die Insel Fernando de Noronha, Brasilien | Bildquelle: M. Ebert, ARD-Studio Rio de Janeiro

Weltspiegel Eine Insel ohne Corona

Stand: 11.10.2020 03:35 Uhr

Die brasilianische Atlantikinsel Fernando de Noronha lässt nur Touristen einreisen, die sich bereits mit Corona infiziert hatten. Mehr als das Virus fürchtet man auf dem Archipel Pläne für Massentourismus.

Von Matthias Ebert, ARD-Studio Rio de Janeiro

Der Weg ins Paradies ist kein leichter. Dies bekommt am Flughafen Recife in Nordbrasilien ein junges Pärchen zu spüren. Es wollte auf die paradiesische Insel Fernando de Noronha reisen. Doch ihr Traum zerplatzt noch vor Abflug beim Check-In. Das Paar hat keinen gültigen Laborbericht dabei, der belegt, dass beide bereits an Covid-19 erkrankt waren.

Dies ist aber seit September Voraussetzung für die Einreise. "Wir können keine Ausnahme machen", erklärt der Mann am Schalter. So hebt der Flieger ohne sie ab, fast vollbesetzt mit 80 Touristen mit Corona-Antikörpern im Blut.

Das Covid-19 freie Inselparadies Fernando de Noronha
Weltspiegel, 11.10.2020, Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro

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Strenge Zugangskontrollen zu geschützten Stränden

Fernando de Noronha ist kaum größer als eine deutsche Kleinstadt. Das isolierte Eiland im Atlantik war erst Stützpunkt von Kriegsschiffen im Zweiten Weltkrieg, später ein berüchtigtes Gefangenenlager und ist mittlerweile das wohl am besten behütete Naturschutzgebiet Brasiliens. Für die Einreise von Touristen gilt die Obergrenze von 100.000 pro Jahr; Brasiliens Umweltschutzbehörde kontrolliert streng den Zugang zu geschützten Stränden.

Dadurch hat sich in Fernando de Noronha eine Artenvielfalt erhalten, die Besuchern den Atem verschlägt: Schildkröten, Rochen und Delfine ziehen nah an den Badenden vorbei durchs türkisgrün schimmernde, klare Wasser. Zitronenhaie bringen hier ihren Nachwuchs zur Welt. "Derzeit kann man dieses Paradies in seinem Ur-Zustand erleben", sagt Leo Bertrand, der als Hai-Experte der Insel gilt.

Die Insel Fernando de Noronha, Brasilien | Bildquelle: M. Ebert, ARD-Studio Rio de Janeiro
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Brasilien zählt mehr als eine halbe Million Corona-Infektionen. Die kleine Insel Fernando de Noronha ist von der Pandemie aber verschont geblieben.

Freude über die Rückkehr der Touristen

Der bärtige 60-Jährige bringt in diesen Tagen sein Hai-Museum auf Vordermann. Er putzt seine Ausstellungsstücke - Hai-Kieferknochen und -zähne - und bringt Bestellungen für sein Restaurant auf den Weg. Denn es trudeln immer mehr Touristen ein, nach mehr als sechs Monaten Pandemie-Isolierung.

Für Bertrand waren es harte Monate, in denen er auf die Nothilfen des Staates angewiesen war. "Wir sind wirtschaftlich abhängig vom Tourismus", erklärt er. Deshalb setzt er auf eine Rückkehr zur Normalität.

Mit seinem Boot fährt er Touristen raus aufs Meer, zu den malerischen Buchten, von denen einige in Reiseführern als die schönsten Strände der Welt bezeichnet werden. So wie der "Sancho"-Strand, der mit seinen im Halbrund steil abfallenden Felsklippen und dem kristallklaren Wasser derzeit fast menschenleer daliegt. Man kann sich hier, dank der Pandemie, für einen Moment wie eine der Figuren im Roman "Robinson Crusoe" fühlen.

Am Rand des Strandes werfen Fischer ihre Netze nach Sardellen aus und machen reiche Beute. Sie hatten in der Pandemie, als die Inselbewohner so gut wie abgeschnitten vom Rest Brasiliens ausharrten, ihren Fang jeden Tag solidarisch unter allen Einheimischen kostenlos verteilt. Die Behörden spendierten den Fischern im Gegenzug Schiffsdiesel. So kamen die 1000 verbliebenen Inselbewohner gut durch die Corona-Krise.

Leo Bertrand | Bildquelle: M. Ebert, ARD-Studio Rio de Janeiro
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Der Forscher Bertrand zeigt in seinem Museum Hai-Fundstücke und führt Besucher zu malerischen Stränden.

Verpflichtende Antikörpertests für Besucher

Nach all den Pandemie-Monaten will Insel-Verwalter Guilherme Rocha nun um jeden Preis verhindern, dass das Coronavirus seine Insel über die Touristen nachträglich doch noch erreicht. "Wir haben rigorose Maßnahmen ergriffen, um Corona von uns fern zu halten." Neben den verpflichtenden Antikörpertests für Besucher (im Laufe des Oktobers werden nur noch PCR-Tests gefordert) überprüfen die Gesundheitsbehörden der Insel stichprobenartig Dutzende Anwohner auf Covid-19-Symptome. Sie testen diese auch auf das Virus. "Wir werden mit zunehmendem Tourismusansturm keinen Ausbruch erleben", gibt sich Leticia Maria vom Gesundheitsamt betont optimistisch.

Mehr als das Coronavirus fürchten viele Inselbewohner ohnehin den Massentourismus. In der Hauptstadt Brasilia gibt es Bestrebungen, die geltenden Umweltschutzstandards derart zu lockern, dass zukünftig auch große Kreuzfahrtschiffe vor der Insel anlegen könnten. Es ist bekannt, dass Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ein Gegner strenger Umweltauflagen ist. "Massentourismus ist für uns keine Alternative, weil er das zerstören würde, was viele Urlauber hertreibt: eine unberührte Natur", sagt Verwalter Rocha.

Sorge auch um die Tierwelt

Auch Hai-Experte Bertrand hofft, dass der Massenansturm ausbleibt und derartige Pläne die Schubladen in Brasilia nie verlassen werden: "Wenn sich hier zu viele Touristen tummeln, werden die Delfine und Haie nicht mehr herkommen. Das wäre unser Ende."

In diesen Tagen ist jedoch von Massenandrang nichts zu spüren, im Gegenteil. Fernando de Noronha wirkt zurückversetzt in seinen ursprünglichen Zustand. Der Flora und Fauna auf der Insel, so viel steht fest, hat diese Pandemie nicht geschadet.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 11. Oktober 2020 um 19:20 Uhr.

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