Eine Hand hält ein Flugblatt über Jair Bolsonaro und einen Rosenkranz in die Höhe. | Bildquelle: AP

Brasilien vor der Wahl Bolsonaros Vorsprung wird kleiner

Stand: 28.10.2018 03:42 Uhr

Unmittelbar vor der Stichwahl in Brasilien liegt der rechtsextreme Präsidentschaftskandidat Bolsonaro weiter vorne - allerdings nicht mehr so deutlich wie noch vor einigen Tagen.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Kurz vor der Wahl hat der Wind gedreht. Brasiliens Fernsehsender melden eine Trendwende. Zum ersten Mal seit Beginn des Wahlkampfs sinken die Zustimmungswerte für den rechtsextremen Kandidaten Jair Bolsonaro. Sein Stichwahl-Gegner Fernando Haddad hat ein bisschen aufgeholt.

Fernando Haddad | Bildquelle: AFP
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Bolsonaros Gegenkandidat Haddad hofft weiter auf einen Sieg.

Und der Kandidat der linken Arbeiterpartei wirkt plötzlich wesentlich angriffslustiger, findet erstmals deutliche Worte für seinen Gegner: "Er hat immer zur Gewalt angestiftet. Sein ganzes Leben hat er zu Gewalt aufgerufen. Stellen Sie sich einen Menschen vor, dessen größte Helden die schlimmsten Folterknechte des Kontinents waren. Das ist der Mann der in den Umfragen führt. Aber er wird verlieren."

Wahlkampfrede zu radikal

Das ist allerdings eine gewagte Vorhersage. Tatsächlich dürfte die Trendwende zu spät kommen. Jair Bolsonaros Vorsprung ist geschrumpft, aber trotzdem hat er in den letzten Umfragen noch einen satten Vorsprung von zwölf Prozentpunkten. Das dürfte reichen, um zum nächsten Präsidenten des fünftgrößten Landes der Erde gewählt zu werden. Bolsonaro ist wieder auf Tauchstation gegangen. Fehler wie am letzten Wochenende sollen nicht mehr vorkommen.

"Wir werden jetzt eine große Säuberung durchführen. Diese linke Clique wird  sich unseren Gesetzen unterwerfen müssen, wenn sie hierbleiben will. Sie müssen das Land verlassen oder sie werden in den Knast wandern." Bolsonaro hatte sich zu einer Kundgebung seiner Anhänger zuschalten lassen. Was er dort zu sagen hatte, kam aber nicht gut an - weil er unter anderem auch soziale Organisationen attackierte: "Ihr Banditen von der Landlosenbewegung und von der Obdachlosenbewegung: Eure Aktionen werden künftig als Terrorismus eingestuft."

Stichwahl in Brasilien: Rechtsextremer Kandidat Bolsonaro bleibt Favorit
tagesschau 17:15 Uhr, 28.10.2018, Matthias Ebert, ARD Rio de Janeiro

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Viele Brasilianer in Angst

Inzwischen haben viele Brasilianer regelrecht Angst vor einem Wahlsieg des Rechtsaußen-Politikers. Vor allem Intellektuelle, Schwule und Lesben und auch Menschen aus den Favelas, den Armenvierteln: "Man macht sich schon Sorgen. Bis jetzt dachten wir, das ist alles nicht ernst, aber jetzt wo er vorne liegt, hat sich sein Ton schon geändert. Er wird immer unverschämter und klarer. Und wir sagen halb im Scherz halb im Ernst, lasst uns schon mal die Pässe bereitlegen, man weiß ja nicht, was passiert. Zuhause haben sich alle neue Pässe geholt, er könnte es ja vielleicht doch ernst meinen."

Unterstützer des Präsidentschaftskandidaten Bolsonaro rufen Parolen während einer Kundgebung. | Bildquelle: dpa
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Überall im Land gibt es Kundgebungen für ...

Proteste gegen Bolsonaro (Foto: Matthias Ebert, SWR)
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... und gegen Bolsonaro.

Aber trotzdem steht mehr als die Hälfte der Wähler hinter dem Rechtsaußen. Sein Konkurrent Haddad leidet vor allem darunter, dass er viel zu spät in den Wahlkampf einsteigen durfte, nur als Ersatzmann für Ex-Präsident Lula da Silva. Der hatte trotz einer Haftstrafe wegen Bestechlichkeit zu lange stur an seiner Kandidatur festgehalten. Haddad gilt vielen jetzt als Marionette Lulas. Und das stößt viele ab.

Protestwahl gegen die bestehende Regierung

"Die Leute sind gar nicht unbedingt für Bolsonaro - sondern gegen die Arbeiterpartei", sagt ein Taxifahrer. "Deshalb gewinnt er. Schau mal wie schlecht es dem Land geht. Diese Zeitbombe die die Arbeiterpartei hinterlassen hat. Alles Pleite: die Krankenhäuser, die Sicherheit, einfach alles."

Bolsonaro rudert inzwischen etwas zurück, versucht etwas gemäßigter aufzutreten. Er werde nun doch nicht aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen. Und er werde auch nicht den Umweltschutz bei der Ressortverteilung der Landwirtschaft unterordnen.

Fake News als Wahlkampfmittel

Seine Anhänger werden unterdessen weiterhin über die sozialen Netzwerke mit Fake News gefüttert, mit diffamierenden Behauptungen über seinen Gegner. Der wolle die Kirchen verbieten, Inzest erlauben und kleine Kinder sexuell umpolen. Mit solchen Behauptungen wurden die sozialen Netzwerke in Brasilien in den letzten Wochen regelrecht geflutet.

Die letzten Wahllokale schließen in der Nacht von Sonntag auf Montag um 23 Uhr deutscher Zeit - bald danach wird feststehen, wer Brasilien künftig regiert.

Brasilien vor der Wahl - Bolsonaros Vorsprung wird kleiner
Ivo Marusczyk, ARD Bueons Aires
28.10.2018 00:09 Uhr

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Über dieses Thema berichteten das Nachtmagazin am 25. Oktober 2018 um 00:00 Uhr und die tagesschau am 28.Oktober 2018 um 04:44 Uhr.

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