Der Prsädientschaftskandidat Jair Bolsonaro wird auf den Schultern seiner Unterstützer durch die Menge getragen. | Bildquelle: AP

Brasilien Messerangriff auf Präsidentschaftskandidaten

Stand: 07.09.2018 08:47 Uhr

Der umstrittene Präsidentschaftskandidat Bolsonaro ist Ziel eines Messerangriffs geworden. Er musste operiert werden, die Verletzungen sind ernster als zunächst gedacht. Die Polizei bestätigt eine Festnahme.

Der ultrarechte brasilianische Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro ist bei einer Messerattacke während eines Wahlkampfauftritts nach Angaben seines Sohnes schwer verletzt worden. Nach dem Vorfall in der Stadt Juiz de Fora wurde er operiert. Bolsonaro habe Verletzungen an Leber, Lunge und Darm erlitten und "viel Blut verloren", schrieb sein Sohn Flavio Bolsonaro bei Twitter.

Der Sohn hatte zunächst angegeben, die Verletzung sei nur oberflächlich gewesen, seinem Vater gehe es gut.

Bolsonaros Zustand ist laut dem behandelnden Krankenhaus "stabil". Er habe "drei schwere Einstiche in den inneren Organen", sagten die Ärzte. Dadurch seien innere Blutungen ausgelöst worden. Es werde wohl zwei Monate dauern, bis er wieder vollständig genesen sei. Zeitweise sei er in Lebensgefahr gewesen.

Ein Angreifer sei festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Er sei vermutlich geistig verwirrt. Der Verdächtige sei unmittelbar nach dem Angriff von Unterstützern des Politikers zusammengeschlagen worden. Auf mehreren in sozialen Medien verbreiteten Videos war zu sehen, dass der rechtsgerichtete Kandidat zusammenzuckte, nachdem ihm auf einer Wahlkampfveranstaltung in den Bauch gestochen worden war.

Bolsonaro ist umstritten

Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ibope wollen 22 Prozent der Wähler für den früheren Fallschirmjäger stimmen. Dass er aber auch in der erwarteten Stichwahl gewinnen könnte, gilt als unwahrscheinlich.

Der ehemalige Soldat Bolsonaro ist umstritten. Wegen abfälliger Bemerkungen über Frauen, Schwarze und Homosexuelle sind gegen ihn Bußgelder verhängt worden. Er hat sich nostalgisch über die Militärdiktatur der Jahre 1964 bis 1985 geäußert und angekündigt, aktuelle und ehemalige Militärs in seine Regierung zu berufen.

"Absurd und bedauerlich"

Brasiliens Präsident Michel Temer verurteilte den Vorfall. "Wir haben keinen Rechtsstaat, wenn wir Intoleranz haben." Der Politiker Fernando Haddad, den die brasilianische Arbeiterpartei vermutlich statt Lula für die Kandidatur aufstellen wird, nannte die Attacke "absurd und bedauerlich". Der frühere Gouverneur von São Paulo, Geraldo Alckmin, erklärte, Politik werde durch Dialog und Überzeugungsarbeit gemacht, nie durch Hass.

Brasilien - Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro bei Messerangriff schwer verletzt
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
07.09.2018 09:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2018 um 06:30 Uhr.

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