Brasiliens Verteidigungsminister Azevedo e Silva | AFP

Krise in Brasilien Außen- und Verteidigungsminister treten zurück

Stand: 29.03.2021 22:08 Uhr

Brasilien steuert mitten in der schwersten Phase der Pandemie auf eine Regierungskrise zu. Nach dem Außenminister trat nun auch der Verteidigungsminister zurück. Beide galten als enge Verbündete von Präsident Bolsonaro.

In Brasilien haben zwei Schwergewichte der Regierung des rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro am selben Tag ihren Rücktritt erklärt: Außenminister Ernesto Araújo und Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva gaben kurz aufeinander folgend ihren Amtsverzicht bekannt.

Azevedo e Silva veröffentlichte eine kurze Erklärung, in der er Bolsonaro dankte, dem er "in diesen zwei Jahren völlige Loyalität gewidmet habe", und seine eigenen Erfolge für die Armee betonte. Er schloss mit den Worten: "Ich gehe mit dieser Gewissheit: Auftrag erfüllt." Der Abschied kam für viele Beobachter überraschend. Brasilianischen Medien wie "G1" und der Zeitung "Folha de S. Paulo" zufolge erfolgte er auf Druck des Präsidenten, der notgedrungen eine Kabinettsumbildung vornehme. Der 67-jährige General der Reserve war - nach Joaquim Silva e Luna - der zweite Militär im Amt des Verteidigungsministers in der jüngsten brasilianischen Vergangenheit.

Rechter Hardliner geht

Mit Außenminister Araújo verliert Bolsonaro einen seiner wichtigsten Minister. Araújo, der als rechter Hardliner und loyaler Verbündeter des Präsidenten gilt, war selbst im eigenen Lager unter erheblichen Druck geraten. Zuletzt hatten die Präsidenten beider Parlamentskammern drauf gedrängt, ihn abzulösen.

Ernesto Araújo | REUTERS

Araújo galt als treuer Unterstützer Bolsonaros. Bild: REUTERS

Bolsonaro-Lager: Araújo fehl am Platz

Araújo stand für eine konfrontative und wenig diplomatische Außenpolitik nach dem Vorbild der Trump-Regierung in den USA. Unter anderem hatte er sich immer wieder mit China angelegt. Seine Angriffe gegen China, Umweltschützer und die Linke wurden zunehmend als Ablenkung von der Bekämpfung der Pandemie angesehen.

Nach dem Regierungswechsel in den USA steht Brasilien auf internationaler Bühne weitgehend isoliert da. Selbst innerhalb des Bolsonaro-Lagers im Kongress herrschte die Ansicht vor, dass Araújo fehl am Platz ist; zum Beispiel wenn es darum geht, über die Lieferung von Impfstoffen oder von Grundstoffen für die Vakzinherstellung zu verhandeln. Dabei ist Brasilien auf China angewiesen.

Wende in Bolsonaros Politik

Der Rücktritt des Außenministers markiert insgesamt eine Wende in der Politik Bolsonaros: Seit einigen Monaten stützt er sich auf einen gemäßigten Mitte-Rechts-Block im Parlament. Seitdem tritt auch Bolsonaro weniger konfrontativ auf.

Der Abgang Araújos ist ein Schlag für Bolsonaro, aber Teil eines umfassenderen Vorhabens des Präsidenten, die Pandemie ernsthafter anzugehen und eine rekordverdächtige zweite Welle zu verlangsamen. Wer das Außenministerium künftig leiten soll, ist noch nicht bekannt.

Mit Informationen von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Über dieses Thema berichtete am 30. März 2021 die tagesschau um 02:14 Uhr und MDR Aktuell um 06:55 Uhr.