Gerodete Fläche im brasilianischen Regenwald | Bildquelle: dpa

Brasilianischer Regenwald Illegale Abholzung steigt um 34 Prozent

Stand: 07.08.2020 12:28 Uhr

Die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes ist weiter dramatisch angestiegen. In den vergangenen zwölf Monaten wurde im Vergleich zum Vorjahr ein Drittel mehr Fläche illegal abgeholzt.

Die illegale Rodung des Amazonas-Regenwaldes hat weiter zugenommen. Nach Auswertungen des brasilianischen Weltrauminstituts Inpe wurden in den vergangenen zwölf Monaten (August 2019 bis Juli 2020) 34 Prozent mehr Regenwald abgeholzt als im Vorjahreszeitraum. Die Satellitenaufnahmen von Inpe zeigten, dass rund 9170 Quadratkilometer Regenwaldfläche vernichtet wurden.

Laut Inpe wüteten in den vergangenen Monaten zudem die schwersten Waldbrände der vergangenen 13 Jahre im Amazonas-Regenwald. Das Weltrauminstitut registrierte allein im vergangenen Juni rund 2200 Brände.

Umweltorganisationen befürchten, dass sich die Katastrophe des vergangenen Jahres wiederholen könnte. Damals gab es die schwersten Waldbrände seit mehr als 20 Jahren, die sich auch auf Bolivien und Peru ausdehnten.

Internationale Kritik gegen Brasiliens Präsidenten

Zudem spielt die Umweltpolitik Brasiliens eine entscheidende Rolle bei der zunehmenden Vernichtung des Regenwaldes. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte im Wahlkampf angekündigt, das Amazonas-Gebiet weiter wirtschaftlich zu erschließen und keine neuen Schutzgebiete für die brasilianischen Ureinwohner auszuweisen.

Bolsonaros Umweltpolitik wurde international heftig kritisiert, unter anderem von den Industriestaaten der G7-Gruppe. Deren Wirtschaftsvertreter machen neue Investitionen von konkreten Schritten gegen die Zerstörung des Regenwaldes abhängig.

Keine Trendwende in Sicht

Mitte Juli hatte Bolsonaro per Dekret die Brandrodung im Amazonasgebiet und im Sumpfgebiet Pantanal für 120 Tage verboten. Mehrere Tausend Soldaten sollen die Einhaltung des Verbots überwachen.

Vizepräsident Hamilton Mourão verwies unterdessen auf Twitter auf die Erfolge des Umweltprogramms "Grünes Brasilien", mit der die Umweltkriminalität im Amazonas bekämpft werden solle. Seit Juni sei die illegale Abholzung demnach zurückgegangen.

Umweltschützer sehen darin jedoch noch keine Trendwende und behaupten, die Situation sei weiterhin außer Kontrolle. Die Brandrodung ist zudem nur eine von vielen Bedrohungen für den Amazonas-Regenwald. Auch illegale Eindringlinge, Goldsucher und Viehhalter zerstören die Schutzgebiete der indigenen Bevölkerung.

Satellitenauswertung belegt erneut starke Zunahme der Abholzung
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
07.08.2020 17:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. August 2020 um 06:21 Uhr.

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