Schwarze Rauchschwaden über dem brennenden Öltanker "New Diamond".  | AFP

Brennender Öltanker Sorge vor weiterer Umweltkatastrophe

Stand: 04.09.2020 12:02 Uhr

Zuerst Mauritius, jetzt Sri Lanka. Im Indischen Ozean ist erneut ein Handelsschiff havariert. Und wieder droht eine Umweltkatastrophe. Auf dem Tanker war ein Feuer ausgebrochen. Unklar ist, ob Öl ausgetreten ist.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu Delhi

Sri Lanka hat damit begonnen, den brennenden Öltanker "New Diamond" von der Küste des Inselstaates wegzuschleppen. Das havarierte Schiff, auf dem gestern ein Feuer ausgebrochen war, drohte auf die Küste zuzudriften. Wie die Regierung von Sri Lanka mitteilte, liegt der brennende Öltanker derzeit rund 50 Kilometer vor der Ostküste.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Die "New Diamond" gilt mit rund 300.000 Tonnen Ladekapazität als sehr großer Öltanker. Das Schiff, das unter der Flagge Panamas fährt, wurde von der Indian Oil Company gechartert und befand sich auf dem Weg von Kuwait zum indischen Hafen Paradip. Den Angaben zufolge hat das Schiff mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl an Bord und große Mengen Dieseltreibstoff.

Der hintere Teil des Tankers steht in Flammen, über denen schwarze Rauchwolken aufsteigen, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen ist. Die Löscharbeiten wurden am Morgen wieder aufgenommen, nachdem sie Donnerstagabend wegen schlechter Sichtverhältnisse und starker Winde abgebrochen werden mussten.

Unklar ist, ob bereits Öl ausgelaufen ist. Noch gebe es keine Anzeichen dafür, hieß es auf dem Internetportal der Regierung von Sri Lanka. Medienberichten zufolge läuft seit Donnerstagabend Öl ins Meer.

Umweltschützer befürchten schlimme Folgen

Wenige Wochen nach der Havarie eines Öltankers vor Mauritius droht nun die nächste Umweltkatastrophe im Indischen Ozean. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace gibt es Wal- und Riffhaie vor der Küste Sri Lankas, außerdem Meeresschildkröten sowie Blau- und Pottwale.

Sollte die "New Diamond" ihre Ladung verlieren, hätte dies schlimme Folgen, so Pradeep Kumara, der Chef der Umwelt-Behörde von Sri Lanka: "Da drohen gewaltige Schäden, vor allem für die nördliche Küste von Sri Lanka, aber auch für den östlichen und südlichen Abschnitt der Küste. Das Schiff hat mehr als 260.000 Tonnen Öl geladen und auch große Mengen Dieselkraftstoff. Und wenn das Schiff infolge des Feuers explodiert, kann das alles noch viel schlimmer werden."

Offenbar ein Toter

22 von 23 Mitgliedern der Schiffsbesatzung, darunter offenbar philippinische und griechische Staatsbürger, konnten den Angaben zufolge gerettet werden. Ein Mitglied der Crew ist offenbar im Maschinenraum ums Leben gekommen.

Auf Handy-Videos, die von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitet wurden, war zu sehen, wie Verletzte von Bord geholt wurden. Die Luftwaffe von Sri Lanka hatte ein Beobachtungsflugzeug entsandt und die Marine zwei Schiffe, um die Rettungsbemühungen zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. September 2020 um 07:45 Uhr.