Unbegleitete Flüchtlinge aus dem zerstörten griechischen Flüchtlingscamp Moria gehen an Bord eines Flugzeugs | AFP

Nach Brand in Moria Minderjährige aufs Festland gebracht

Stand: 10.09.2020 09:01 Uhr

Etwa 400 unbegleitete Minderjährige aus dem abgebrannten Flüchtlingscamp Moria sind nach Thessaloniki gebracht worden. Tausende Migranten verbrachten die Nacht auf der Straße. Im Lager brannte es erneut.

Nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind die ersten Maßnahmen angelaufen, die nun obdachlosen Bewohnerinnen und Bewohner unterzubringen. Am Abend wurden 165 Kinder und Jugendliche, die ohne Begleitung ihrer Eltern unterwegs sind, mit einem Flugzeug in die Hafenstadt Thessaloniki gebracht. Am Morgen folgten 240 weitere Minderjährige.

Außerdem lief eine Fähre, die "Blue Star Chios", in dem kleinen Hafen Sigri im Westen von Lesbos ein. Das Schiff soll rund 1000 Migranten aufnehmen. Andere Geflüchtete sollen in den nächsten Tagen auf zwei Schiffen der griechischen Marine unterkommen. Außerdem werden Zelte aufgebaut, wie Migrationsminister Notis Mitarakis ankündigte.

Feuer zerstört verschont gebliebene Zelte

Am Abend brach im Camp erneut Feuer aus. Laut Medienberichten zerstörten die Flammen vom Großbrand unbeschädigte Zelte und andere provisorische Unterkünfte. Viele der Menschen, die noch dort ausgeharrt hatten, flüchteten mit ihren Habseligkeiten.

Tausende Menschen verbrachten die erste Nacht nach dem Großbrand auf den Straßen rund um Moria. Die Polizei setze Tränengas gegen Migranten ein, die zur Inselhauptstadt Mytinili wollten. Einige bewarfen die Beamten mit Steinen.

Die Behörden versuchen, die Menschen außerhalb von Ortschaften unter Kontrolle zu halten - denn vor dem Großbrand war im Lager bei 35 Bewohnern das Coronavirus nachgewiesen worden. Viele von ihnen sind nun untergetaucht und es besteht die Sorge, dass sie andere anstecken. Die Polizei habe nur acht von ihnen aufgreifen können, teilte die Regierung mit.

Bestürzung über Großbrand

Die Regierung in Athen geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass einige Migranten die Brände aus Angst vor den ersten Corona-Fällen im Lager selbst gelegt haben. Es seien aber keine Menschen verletzt, vermisst oder durch den Brand umgekommen.

Der Großbrand in Moria hat EU-weit und parteiübergreifend für Bestürzung ausgelöst. Bundesentwicklungsminsiter Gerd Müller drängte in den tagesthemen auf eine Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Camp. Innerhalb der EU müsse eine "Koalition der Willigen" vorangehen.

Moria gilt als Negativbeispiel der europäischen Flüchtlingspolitik und als größtes Flüchtlingslager in der EU. Zuletzt lebten mehr als 12.000 Migranten in und um die Anlage herum, die eigentlich nur Platz für rund 2800 Menschen bietet. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Unruhen und Bränden gekommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2020 um 09:00 Uhr.