Blick auf niedergebrannte Unterkünfte im Flüchtlingslager von Moria | Bildquelle: AFP

Nach Brand in Moria Schiffe und Zelte für die Migranten

Stand: 10.09.2020 01:37 Uhr

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria plant Griechenland, die obdachlosen Migranten vorerst auf Marineschiffen und in Zelten unterzubringen. Der Migrationsminister richtete zugleich eine Warnung an die Flüchtlinge.

Nach dem verheerenden Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sollen die obdachlos gewordenen Migranten zunächst auf Schiffen und in Zelten untergebracht werden. Das kündigte Migrationsminister Notis Mitarakis an.

Um die Flüchtlinge unterzubringen, sollen demnach bereits am Donnerstag zwei Landungsschiffe der Kriegsmarine Migranten aufnehmen, auch eine griechische Reederei soll ein Schiff bereitgestellt haben. Zudem sollen rund 400 unbegleitete Kinder rasch von Lesbos aufs Festland gebracht werden. Ein erster Flieger traf am späten Abend in Thessaloniki ein, zwei weitere sollen folgen.

Mitarakis war auf die Insel gereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen, nachdem das Flüchtlingslager Moria nach Unruhen in der Nacht zum Mittwoch in Flammen aufgegangen war. Seither sind auf der Insel Lesbos, mit ihren rund 85.000 Einwohnern, mehr als 12.000 Migranten obdachlos.

Großbrand zerstört Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos
tagesthemen 22:30 Uhr, 09.09.2020, Anja Miller, ARD Rom

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Mitarakis warnt Migranten vor Gesetzesbruch

Die Menschen, die das Lager wegen des Feuers fluchtartig verlassen mussten, seien nun von der Polizei außerhalb der Ortschaften versammelt worden, sagte Mitarakis. Ziel der Maßnahme dürfte sein, Zusammenstöße zwischen Migranten und der Inselbevölkerung zu vermeiden.

Nach seinem Besuch warnte Mitarakis die Migranten davor, bestehende Gesetze zu missachten. "Das werden wir nicht dulden", sagte er mit Blick auf die Feuer. Die Regierung in Athen geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass einige Migranten die Brände aus Angst vor den ersten Corona-Fällen im Lager selbst gelegt haben. Es seien aber keine Menschen verletzt, vermisst oder durch den Brand umgekommen.

Allerdings suchen die Behörden derzeit noch nach 27 Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Diese seien nach dem Großbrand auf der Insel untergetaucht, berichtet ARD-Korrespondent Thomas Bormann in der tagesschau. "Die Leute haben Angst, dass sich das Coronavirus unerkannt ausbreiten kann." Zudem seien auf der Insel erneut kleinere Feuer ausgebrochen. Auch die Nachrichtenagentur AP berichtete von mindestens einem neuen Brand, der sich in Teilen des Flüchtlingscamps ausbreite, die von den vorherigen Feuern noch verschont geblieben waren.

Bundesregierung bietet Hilfe an

Neben Griechenland hat auch die Bundesregierung Hilfe für die Migranten zugesagt. "Der Brand in Moria und die daraus folgenden Konsequenzen machen sehr deutlich, wie wichtig es ist, bei der Flüchtlingsfrage eine europäische Lösung zu erreichen", bekräftigte das Innenministerium auf Anfrage von tagesschau.de. "Deutschland hat Griechenland in der Vergangenheit an vielen Stellen unterstützt und wird auch jetzt helfen. Das ist die deutsche Position und entspricht auch der Rolle als EU-Ratspräsidentschaft. Der Bundesinnenminister hat gegenüber der griechischen Regierung bereits Hilfe angeboten."

Demnach will das Innenministerium zunächst mit den griechischen Behörden klären, welche Hilfe nötig ist, und diese dann "zügig und unkompliziert bereitstellen". Mit Blick auf die Bereitschaft aus den Bundesländern, mehr Flüchtlinge als bisher aufzunehmen, bekräftigte der Sprecher die Haltung des Bundesinnenministers.

Auf die Frage, ob Seehofer angesichts der Brandkatastrophe seine Meinung ändere und eine Bundeskoordinierung befürworte, sagte der Ministeriumssprecher, die aktuelle Situation sei "kein Grund, unsere bisherige Rechtsordnung grundsätzlich in Frage zu stellen". Seehofer habe deutlich gemacht, dass das bisherige Prinzip der Flüchtlingsaufnahme existiere "und dass er nicht beabsichtigt, daran Änderungen vorzunehmen", so der Sprecher weiter.

Pro Asyl macht EU für Brand verantwortlich

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl machte die Bundesregierung und die EU für den Brand direkt verantwortlich. "Die Katastrophe von Moria ist eine Folge der skandalösen und menschenverachtenden deutschen und europäischen Politik", sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Anstatt für faire Asylverfahren zu sorgen, hätten alle EU-Staaten zugeschaut. Die EU versucht seit Jahren, sich auf eine gemeinsame Flüchtlingspolitik und vor allem Quoten zur Verteilung der Menschen zu einigen - bisher ohne Erfolg

Moria gilt als Negativbeispiel der europäischen Flüchtlingspolitik und als größtes Flüchtlingslager in der EU. Zuletzt lebten mehr als 12.000 Migranten in und um die Anlage herum, die eigentlich nur Platz für rund 2800 Menschen bietet. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Unruhen und Bränden gekommen.

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