Serbische Feuerwehrleute helfen einen Brand in der Nähe von Avgaria auf der griechischen Insel Euböa zu löschen

Brände im Mittelmeerraum Kampf gegen Flammen, Hitze und Winde

Stand: 11.08.2021 15:32 Uhr

Etliche Mittelmeerländer kämpfen weiter mit Waldbränden. Leichte Entspannung wird von der griechischen Insel Euböa gemeldet. Und auch in Italien und der Türkei wüten die Feuer weiter - Italien kämpft zudem mit Temperaturen weit über 40 Grad.

Im gesamten Mittelmeerraum kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen schwere Waldbrände. In Griechenland melden die Behörden von der besonders betroffenen Insel Euböa leichte Fortschritte: Es gab weiterhin viele, aber kleinere Brände. Weil die Rauchentwicklung nicht mehr so stark war, konnten die Löschflugzeuge und -hubschrauber am Morgen besser löschen, wie griechische Medien berichteten.

Der Bürgermeister der Inselstadt Istiea, Giannis Kontzias, hatte zuvor dem staatlichen Fernsehsender ERT gesagt: "Ich denke, wir können sagen, dass die Feuerfronten langsam unter Kontrolle gebracht werden." In Anspielung auf die riesigen Rauchschwaden über Euböa sagte er weiter: "Gestern haben wir zum ersten Mal seit Tagen das Sonnenlicht gesehen."

Einen Hoffnungsschimmer liefert zudem das Wetter: Für den Abend sind auf der Insel Regenfälle angekündigt. Die Menschen hoffen, dass sie wirklich kommen und stark genug ausfallen. Auf der Insel wurden bereits hunderte Häuser zerstört, drei Menschen starben.

Durch das Feuer verbrannte Bäume sind auf einem Berg im Dorf Papades zu sehen, Euböa | dpa

In Griechenland ist besonders die Insel Euböa von den Bränden betroffen. Bild: dpa

Feuerwehrchef: Lage auf dem Peloponnes etwas besser

Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes wütet das Feuer ebenfalls weiter, doch auch dort war die Lage etwas besser, wie der griechische Feuerwehrchef Stefanos Kolokouris dem Fernsehsender Skai sagte. Das liege nicht zuletzt an den vielen internationalen Helfern. Insgesamt sind in der Region 578 Feuerwehrleute mit 181 Fahrzeugen im Einsatz. Unterstützt werden sie von sieben Löschflugzeugen und sieben Löschhubschraubern.

Unterstützung auch aus Deutschland

Unterdessen trafen deutsche Helfer in der griechischen Hafenstadt Patras ein. Insgesamt werden laut griechischem Zivilschutz gut 220 Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks mit insgesamt 46 Fahrzeugen erwartet. In Griechenland kämpfen mittlerweile Rettungskräfte aus mehr als 20 Nationen gegen die Flammen.

Kritik an der Regierung

Viele Menschen auf Euböa fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen. Kommunalpolitiker werfen der Regierung vor, zu spät Löschflugzeuge auf die Insel geschickt zu haben. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte sich Montagabend in einer Fernsehansprache bei seinen Landsleuten entschuldigt. Zugleich hob er hervor, die Feuerwehr habe in den vergangenen Tagen gegen 580 Brände kämpfen müssen, die wegen einer "beispiellosen Hitzewelle und einer langanhaltenden Dürre schwer zu löschen" gewesen seien.

Italien: Dutzende Feuerwehr-Einsätze und neue Hitze

Auch in Italien kämpft die Feuerwehr weiter gegen zahlreiche Brandherde. Sie rückte nach eigenen Angaben in den vergangenen Stunden 300 Mal zur Brandbekämpfung aus. In der Madonie, einer Gebirgskette nahe der sizilianischen Hauptstadt Palermo, wüten die Flammen schon seit mehreren Tagen und zerstörten Felder und Gebäude. In Kalabrien ist der als UNESCO-Welterbe gelistete Naturpark Aspromonte vom Feuer bedroht.

Die Umweltorganisation WWF Italien forderte am Dienstag den sofortigen Einsatz zusätzlicher Löschflugzeuge. Anderenfalls verliere das Land "für immer ein Erbe von unschätzbarem Wert". Von der Ferieninsel Sardinien wurden am Dienstag 13 Brände gemeldet.

Die Wetterlage in Italien bleibt weiter kritisch: Die Behörden erwarten für heute eine Hitzewelle für viele Teile des Landes. Besonders auf den großen Inseln prognostizierten sie Temperaturen weit über 40 Grad Celsius. Der nationale Wetterdienst rechnet damit, dass der bisherige landesweite Hitzerekord von 48,5 Grad übertroffen wird. Das Brandrisiko besteht weiter durch die anhaltende Trockenheit und starke Winde.

Türkei: Starke Winde und Hitze

In der Türkei macht den Einsatzkräften unterdessen starker Wind und Temperaturen um die 40 Grad zu schaffen. Zwei Brände in den Bergen der Gemeinde Köycegiz im westtürkischen Mugla seien erneut außer Kontrolle geraten, sagte der Leiter der örtlichen Feuerwehr, Bahattin Yavuz, der Nachrichtenagentur dpa. Dörfer seien aber nicht bedroht. Die Brände in dem schwer zugänglichen Gelände würden aus der Luft und mit Kräften am Boden bekämpft. In der Provinz Antalya sei ein neuer Brand in der Nähe eines Wohngebietes der Stadt Manavgat ausgebrochen, sagte eine Sprecherin der dpa.

Zwei Wochen nach Beginn der Brände sind die meisten Feuer unter Kontrolle. Dennoch können Funken immer wieder überspringen und wegen der extremen Trockenheit in Verbindung mit Winden Feuer auslösen. "Bis zum Oktober besteht das Risiko weiterer Brände", warnte Doganay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität.

Auch in Algerien brachen mehrere Waldbrände aus - hier stieg die Zahl der Toten auf mehr als 60. Nach Angaben von Präsident Abdelmadjid Tebboune waren darunter 25 Soldaten, die 100 Anwohner aus Bergwäldern und Dörfern östlich der Hauptstadt Algier gerettet hatten.

Brände auch in Russland und Tunesien

Auch in Russland brennen Wälder. Landesweit zählte die Forstschutzbehörde mehr als 250 Brände auf einer Gesamtfläche von rund 3,9 Millionen Hektar - mehr als am Vortag. Viele Brände werden den Angaben zufolge gar nicht erst gelöscht, weil sie keine Dörfer bedrohten oder weil Löscharbeiten zu teuer seien.

In Tunesien brachen bislang zwölf Waldbrände aus, wie die Staatsagentur TAP unter Berufung auf den Katastrophenschutz meldete. Sechs Feuer seien aber inzwischen wieder gelöscht worden und es gebe keine Opfer. Das nordafrikanische Land ächzte in den vergangen Tagen unter einer Hitzewelle von Temperaturen bis zu 49 Grad.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. August 2021 um 12:00 Uhr.