Ein Mitglied der Anti-Wilderer-Einheit der botswanischen Verteidigungstruppe steht über dem Kadaver eines Elefanten, der in der Nähe von Seronga im Okavango-Delta gefunden wurde. | REUTERS

Botswana Bakterien offenbar Grund für Elefantensterben

Stand: 22.09.2020 12:34 Uhr

Monatelang haben die Behörden in Botswana nach der Ursache für das rätselhafte Elefantensterben im Okavango-Delta geforscht. Sie fanden nun in den verendeten Tieren Bakterien, die eine Art Nervengift produzieren.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Die Behörden in Botswana sehen giftige Bakterien als Ursache für das Elefantensterben. Cyril Taolo, der im Ministerium für Natur und Nationalparks arbeitet, ist sich sicher: "Es gibt absolut keinen Grund zu glauben, dass an diesen Todesfällen Menschen beteiligt waren. Klar ist, dass es dieses Wasser gab, die Wasserlöcher, die eindeutig im Mittelpunkt der Todesfälle standen."

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Im Wasser - und zwar im Grunde in jeder Art Wasser - kommen Cyanobakterien vor. Diese Bakterien wiesen die Behörden in allen toten Tieren nach. Nicht alle Cyanobakterien haben negative Auswirkungen, sagen Wissenschaftler. Doch die, die eine Art Nervengift produzieren, seien tiefer im Wasser zu finden - genau dort, wo Elefanten ihr Trinkwasser einsaugen.

Bakterien im Schlamm gefunden

Mmadi Reuben, der leitende Veterinärbeamte, sieht das als Grund, warum keine anderen Tierarten betroffen waren. "Wir wissen, dass der Elefant wirklich das einzige Tier ist, das unter der Wasseroberfläche trinkt. Und wo es nicht besonders tief ist, da saugen Elefanten auch den Schlamm ein - und genau darin wachsen Cyanobakterien hauptsächlich."

Bakterien, die Giftstoffe produzieren, würden mehr werden, je mehr der Klimawandel voranschreite, warnen Wissenschaftler. Im Südlichen Afrika stiegen die Temperaturen schließlich doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Für den Ministeriumsmitarbeiter Taolo ist das nachvollziehbar. "Wir haben Tests gemacht und belegt, dass es diese Cyanobakterien gab, die möglicherweise einige dieser Toxine produzieren könnten, von denen bekannt ist, dass sie sich auf Wildtiere und auch auf Nutztiere auswirken."

Es handele sich also nicht um ein Phänomen, das erst jetzt zu beobachten war, sondern um etwas, das ziemlich häufig auftritt, wenn es diese Umweltveränderungen gibt.

330 Tote Elefanten innerhalb von vier Monaten

Taolo zufolge waren 330 Elefanten zwischen März und Juni gestorben - danach nicht mehr. Auch das verwunderte die Behörden, aber auch viele Umweltschützer. Doch der Veterinärbeamte Reuben hat auch dafür eine Erklärung. "Nachdem wir das jetzt eingegrenzt haben, wissen wir jetzt ganz klar, warum die Sterblichkeit, zu dem Zeitpunkt aufgehört hat, als die Wasserlöcher austrockneten. Wir werden die Situation weiter beobachten und dann Lösungen finden, um weitere Todesfälle in der nächsten Saison zu verhindern."

Denn in der nächsten Saison will Botswana in seinem weltbekannten Okavango-Delta wieder Touristen willkommen heißen. Auch nach dem Tod von 330 Tieren wird die Elefanten-Population in Botswana noch auf 130.000 geschätzt - ein Drittel aller afrikanischen Elefanten leben dort.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. September 2020 um 23:39 Uhr.