Dschochar Zarnajew und seine Anwältin

Boston-Attentäter Zarnajew US-Berufungsgericht kippt Todesurteil

Stand: 01.08.2020 00:27 Uhr

Er zündete gemeinsam mit seinem Bruder beim Boston-Marathon 2013 zwei Sprengsätze. Nun hob ein US-Berufungsgericht das Todesurteil gegen Zarnajew auf - ihn erwartet lebenslange Haft.

Ein US-Berufungsgericht hat das Todesurteil gegen den Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew gekippt. Die Richter hoben die Entscheidung von 2015 auf und ordneten eine neue Entscheidung über das Strafmaß an.

Zarnajew muss trotzdem mit mindestens lebenslanger Haft rechnen. Dschochar Zarnajew werde seine verbleibenden Tage im Gefängnis verbringen, so das Gericht. "Die einzige Frage ist, ob er durch Hinrichtung sterben wird."

Äußerungen in sozialen Medien

Die drei Richter veröffentlichten ihre Entscheidung mehr als sechs Monate nach den Anhörungen zu dem Fall. Die Juristen sind der Ansicht, dass das Gericht im Prozess nicht sichergestellt habe, dass die Geschworenen tatsächlich unvoreingenommen gegenüber Zarnajew sind. Zarnajews Anwälte hatten argumentiert, dass eine intensive Medienberichterstattung einen fairen Prozess unmöglich gemacht habe. Sie verwiesen zudem auf Äußerungen von zwei Geschworenen in sozialen Medien, die nahegelegt hätten, dass sie bereits vor dem Prozessbeginn 2015 eine klare Meinung zu dem Fall hatten.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP trugen Zarnajews Anwälte vor, dass einer der beiden Geschworenen nach dem Anschlag zwei Dutzend Kommentare auf Twitter veröffentlicht habe. In einem Tweet nach Zarnajews Festnahme bezeichnete er den Verdächtigen als ein "Stück Müll".

Tat gestanden

Zarnajew hatte im April 2013 gemeinsam mit seinem kurze Zeit später getöteten Bruder Tamerlan im Zieleinlauf des Boston-Marathons zwei Sprengsätze gezündet, durch die drei Menschen getötet und 260 verletzt wurden. Zarnajew hatte die Tat gestanden und sitzt heute in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2020 um 08:00 Uhr.

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