Serbischer Kandidat Dodik | Bildquelle: AP

Wahlen in Bosnien-Herzegowina Zwei Nationalisten setzen sich durch

Stand: 08.10.2018 01:18 Uhr

Bei der Abstimmung über das dreiköpfige Staatspräsidium haben sich Bosniaken und Serben für Vertreter nationalistischer Parteien entschieden. Die Kroaten hingegen setzen auf einen gemäßigteren Kandidaten.

Die Menschen in Bosnien-Herzegowina haben über die Besetzung einer Reihe der wichtigsten Ämter in ihrem Land abgestimmt. Der Fokus lag auf der Wahl des Staatspräsidiums, des aus drei Mitgliedern bestehenden Staatsoberhaupt. Es setzt sich aus jeweils einem Vertreter der muslimischen Bosniaken, der orthodoxen Serben und der katholischen Kroaten zusammen.

Für die Serben erklärte sich Milorad Dodik zum Sieger. Laut Wahlkommission erzielte er 55 Prozent der Stimmen. Dodik gilt als russlandfreundlicher Nationalist. Er strebt eine Loslösung des serbischen Teils von Bosnien-Herzegowina an.

Wechsel bei den Kroaten

Für die Bosniaken sitzt künftig Sefik Dzaferovic im Staatspräsidium. Der Vertreter der größten bosniakischen Partei SDA erzielte rund 38 Prozent der Stimmen. Auch er wird dem nationalistischen Flügel der Bevölkerung zugerechnet.

Den Sitz der Kroaten errang Zeljko Komsic. Er setzte sich gegen den langjährigen kroatischen Vertreter Dragan Covic durch. Letzterer gestand seine Niederlage bereits in deutlichen Worten ein. Durch seine Abberufung drohe "eine nie gesehene Krise" im Land, kündigte er an. Wahlsieger Komsic wiederum setzte auf versöhnliche Töne. "Ich werde allen Bürgern dienen", sagte er. Sein Ziel sei es, Bosnien-Herzegowina in einen bürgerlichen Staat umzugestalten.

Komplexes Institutionengeflecht

Zur Wahl des Präsidiums waren etwa 3,3 Millionen Wählerinnen und Wähler aufgerufen. Die Wahlbeteiligung fiel niedrig aus. Nur etwa die Hälfte der Wahlberechtigten gingen zur Abstimmung. Trotzdem dauerte es mehrere Stunden nach Schließung der Wahllokale, bis die Wahlkommission erste Ergebnisse mitteilte. Resultate für das ebenfalls gewählte Bundesparlament, die Parlamente der beiden fast selbstständigen Landesteile und ihre Präsidenten sollen erst im Laufe des Montags folgen, kündigte die Kommission an.

Bosnien-Herzegowina besteht aus einem serbischen und einem muslimisch-kroatischen Landesteil sowie einer Zentralregierung, die die beiden Teile lose zusammenhält. Die Serben und die Kroaten Bosniens wünschen eine engere Anbindung an Serbien beziehungsweise Kroatien, während die Muslime für ein einiges Bosnien eintreten. Dieser Streit lag auch dem Krieg in den 1990er Jahren zugrunde. Der Aufbau des Balkanstaats ist geprägt von einem komplizierten Institutionengeflecht, das nach dem Krieg der Jahre 1992 bis 1995 geschaffen wurde.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Oktober 2018 um 22:45 Uhr. Am 08. Oktober 2018 berichtete die tagesschau u.a. um 01:58 Uhr und 04:50 Uhr.

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