Boris Becker | dpa

Gericht verkündet Strafmaß Tag der Entscheidung für Becker

Stand: 29.04.2022 07:57 Uhr

Gegen Ex-Tennisprofi Becker wird nach dem Schuldspruch wegen Insolvenzverschleppung heute das Strafmaß verkündet. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren - die noch heute umgesetzt werden könnte.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Mit dem überraschenden Wimbledon-Sieg 1985 spielte Boris Becker sich in die Herzen von Tennisfans in aller Welt. 37 Jahre später wird eine Richterin nur rund 15 Kilometer vom Centre Court in Wimbledon entfernt heute entscheiden, ob der Ex-Tennisprofi ins Gefängnis muss. 

Gabi Biesinger ARD-Studio London

Vor drei Wochen war Becker von einem Geschworenengericht bereits in vier von ursprünglich 24 Anklagepunkten wegen Insolvenzverschleppung schuldig gesprochen worden. Er soll Teile seines Vermögens verschleiert haben, nachdem er von einem Londoner Gericht 2017 für insolvent erklärt worden war.

Konkret geht es um Überweisungen in sechsstelliger Höhe an seine Ex-Frauen, um den Besitz seines Elternhauses in Leimen, in dem seine Mutter Elvira wohnt, das zudem mit einer Hypothek belastet ist und um Aktienbesitze. In weiteren Punkten, die unter anderem die Trophäen des sechsmaligen Grand-Slam-Siegers betrafen, wurde Becker freigesprochen.

Becker drohen bis zu sieben Jahre Haft

Das Strafmaß, das Boris Becker heute erwartet, könnte sich zwischen einer Geldstrafe und sieben Jahren Gefängnis bewegen, erklärt Rechtsexperte Shiv Haria Shah im Gespräch mit dem ARD-Studio London.

Auch eine Kombination aus Geld- und Haftstrafe sei möglich. Was die Ermittlung des Strafmaßes angeht, so muss Richterin Deborah Taylor für die vier benannten Straftaten ein angemessenes Gesamturteil finden.

"Bei einem Schuldspruch in vier Anklagepunkten bedeutet das nicht automatisch, dass die Strafe vier Mal so schwer sein muss wie bei nur einem Anklagepunkt", so Haria Shah. 

Richterin gilt als streng

Was den Prozess der Urteilsfindung angeht, so müssten bestimmte Punkte beachtet werden. "Die Richterin wird den Zustand des Angeklagten berücksichtigen und auch wie schwer der Schaden war, den sein Verhalten verursacht hat", so der Rechtsexperte. "Die Verteidigung wird Argumente für mildernde Umstände vorgebracht haben, auch die Staatsanwaltschaft macht Vorschläge zum Strafmaß. Letzten Endes liegt die Entscheidung aber allein bei der Richterin."

Richterin Taylor, die auch die Vorsitzende Richterin im Verfahren gegen den WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist, gilt als eher streng. Während der Gerichtsverhandlung hatte sie immer wieder darauf verwiesen, dass Becker bei einem Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung 2002 in München bereits zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt worden war und damit knapp an einem Gefängnisaufenthalt vorbeischrammte.

Becker könnte schon heute ins Gefängnis gehen

Auch in England besteht die Möglichkeit, Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren auf Bewährung auszusetzen. Sollte die Richterin auf eine Haftstrafe ohne Bewährung entscheiden, dann würde Boris Becker heute direkt vom Gericht ins Gefängnis gebracht, schildert Rechtsexperte Haria Shah - unabhängig von den Rechtsmitteln, die er noch einlegen kann.

Zwei Dinge können Becker und seine Anwälte dann noch anfechten: den Schuldspruch an sich, denn Becker hält sich ja für unschuldig, und das Strafmaß. Doch dafür müssten sie auch erst eine offizielle Genehmigung erwirken.

Das alles kostet Zeit, und die Aussichten, ein Urteil mit Verweis auf Rechts- oder Verfahrensfehler noch zu drehen zu können, scheinen eher gering. Ein echter Schicksalstag für Boris Becker.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. April 2022 um 07:15 Uhr.