US-Sicherheitsberater John Bolton spricht am Flughafen von Ulan Bator in der Mongolei mit der Presse. | Bildquelle: AP

US-Sicherheitsberater Bolton Der Falke allein in Ulan Bator

Stand: 06.07.2019 15:09 Uhr

Im Iran-Streit ging es nicht nach ihm, in Nordkorea war er nicht dabei: US-Sicherheitsberater Bolton steht Beobachtern zufolge isoliert da. Immer öfter hört Präsident Trump auf jemand anderen.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Das Polit-Vokabular in Washington ist seit Donald Trumps jüngstem Treffen mit Kim Jong Un um einen Begriff reicher: Ulan Bator. Dort nämlich, in der mongolischen Hauptstadt, hielt sich John Bolton auf, als sein Chef aufsehenerregend Nordkoreas demilitarisierte Zone betrat. Der US-Präsident landete seinen bislang größten sicherheitspolitischen Coup, sein Sicherheitsberater weilte weit weg. Seither steht Ulan Bator synonym für den falschen Ort zur falschen Zeit. 

Was Bolton jedoch mehr treffen dürfte als der Spott: Es wird spekuliert, ob Trump den Falken gezielt nicht dabei haben wollte - wegen dessen kompromisslos harter Haltung gegenüber Pjöngjang. "Was Nordkorea in der Vergangenheit immer wieder getan hat, ist zu versprechen, nuklear abzurüsten, es dann aber nicht zu tun! Nur um Hilfsgelder zu bekommen, die dann wieder ins Atomprogramm gesteckt wurden", wetterte er etwa. "Das will und wird Präsident Trump unterbinden!“

Trump stoppte den Angriff, zu dem Bolton riet

Als dann die "New York Times" vergangene Woche schrieb, im US-Außenministerium gebe es Pläne, Nordkorea als Atommacht anzuerkennen und zunächst einmal nur sein bestehendes Raketenarsenal einzufrieren, dementierte Bolton wütend. Das war das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, dass er isoliert da stand. Auch im Umgang mit dem Iran hatte Bolton stets für den härtest-möglichen Kurs geworben: "Amerikanische Politik gegenüber Iran sollte es sein, das Mullah-Regime in Teheran zu stürzen", meinte Bolton, bevor er Sicherheitsberater wurde.

Als die USA unlängst kurz davor waren, den Abschuss einer ihrer Drohnen durch den Iran mit Militärschlägen zu vergelten, war es Trump persönlich, der den Vergeltungsschlag stoppte: Wegen der 150 Menschenleben, die die Attacke wohl gekostet hätte. "Das gefiel mir nicht", sagte Trump, "das wäre unverhältnismäßig gewesen!"

"Bürokratischer Bandwurm"

Gerüchte in Washington besagen, dass der konservative Journalist und "Fox News"-Moderator Tucker Carlson Trump erfolgreich von dem Militärschlag abgeraten hat. Er sagte zu der Frage: "Den Iran zu bombardieren hätte Trumps politische Karriere ruiniert, hätte ihn die Wiederwahl gekostet. Ohne Not in den Krieg zu ziehen ist wie Kokain schnupfen: Erst bist du high, dann stürzt du ab. Das wäre schrecklich ausgegangen!"

Tucker Carlson, Moderator bei "Fox News", bei einer Podiumsdiskussion zu Rechtspopulismus. | Bildquelle: AFP
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Tucker Carlson, Moderator bei "Fox News", findet mit seinen politischen Einschätzungen immer öfter Gehör bei Donald Trump - zu Ungunsten Boltons.

Immer wieder ist Carlson seinen Lieblingsfeind Bolton ausgesprochen scharf angegangen, aus konservativer Warte: Der Falke wolle Trump, wie einst George W. Bush im Falle Irak, in ein unkalkulierbares militärisches Abenteuer stürzen.

"John Bolton ist eine Art bürokratischer Bandwurm! Er haust unsterblich in den Tiefen des Regierungsviertels, um nichts als Schmerz und Leid zu bringen, aber niemals selber zu leiden", wetterte er.

Bei jedem anderen Journalisten würde solcherlei Polemik verhallen. Aber Carlson ist ein Vertrauter Trumps. Carlson stand in Nordkorea neben Trump und Kim, als Bolton in Ulan Bator weilte. Dass Trump Carlsons Nähe sucht und politisch immer öfter anders handelt, als Bolton es ihm rät, wird in Washington als Vorbote dafür gehandelt, dass die Tage im Amt des Sicherheitsberaters gezählt sein könnten.

Trump-Berater John Bolton vor Entlassung?
Sebastian Hesse, ARD Washington
06.07.2019 14:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 06. Juli 2019 um 08:37 Uhr.

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