Menschen sitzen weinend auf der Straße | Bildquelle: AP

Unruhen in Bolivien Proteste fordern immer mehr Opfer

Stand: 17.11.2019 09:23 Uhr

Das gesamte Wochenende über wurde Bolivien von gewaltsamen Protesten erschüttert, immer mehr Menschen kommen bei den Unruhen ums Leben. Die UN wollen sich für einen friedlichen Kompromiss in der Krise einsetzen.

Die politische Krise in Bolivien schlägt zunehmend in Gewalt um. Bei Protesten kamen nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) weitere vier Menschen ums Leben. Damit sei die Zahl der Toten seit Ende Oktober auf 23 gestiegen.

Die Nachrichtenagentur dpa beziffert die Zahl der Todesopfer seit dem Beginn der Unruhen in dem südamerikanischen Land mit 19. Zudem wurden seit Freitag mindestens 115 Menschen verletzt, hieß es von dem Ombudsmann der Stadt Cochabamba, Nelson Cox. Die Kommission CIDH sprach von mindestens 122 Verletzten.

Sicherheitskräfte versuchen, Protest zu verhindern

Bereits am Freitag und Samstag war es vor allem nahe Cochabamba - einer Hochburg des zurückgetretenen Präsidenten Evo Morales' - zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Dabei kamen laut Cox neun Menschen ums Leben.

Am Freitag hatten Sicherheitskräfte Kokabauern daran gehindert, über Cochabamba zum Regierungssitz in La Paz zu marschieren, um für eine Rückkehr Morales' zu protestieren. Cox wirft den Sicherheitskräften vor, auf die Demonstranten geschossen und so fünf von ihnen getötet zu haben. Der von der Übergangsregierung ernannte Innenminister Arturo Murillo erklärte dagegen, die Schüsse seien aus den Reihen der Anhänger von Morales gefallen.

Konfrontation zweier politischer Lager

Die Lage in Bolivien hat sich seit der Präsidentenwahl Ende Oktober dauerhaft zugespitzt. Nach der Abstimmung hatte die Landeswahlkommission Morales zum Sieger erklärt. Doch das Ergebnis wurde von dem Vorwurf der Wahlmanipulation überschattet - auch aus dem Ausland stieg der Druck auf Morales, Neuwahlen zuzulassen.

Am vergangenen Sonntag schließlich gab der erste indigene Staatschef nach und trat von seinem Amt zurück. Kurz darauf suchte er Asyl in Mexiko, betonte allerdings seine Absicht, nach Bolivien zurückkehren zu wollen, um sein Land "zu befrieden".

Nach Morales Rücktritt ernannte sich die Senatorin und Oppositionspolitikerin Jeanine Añez zur Interimspräsidentin. Seitdem stehen sich die Anhänger beider Lager - von Morales und Añez - gegenüber.

Morales wirft seiner selbsternannten Nachfolgerin einen Putsch vor, Añez hingegen drohte ihm mit juristischen Verfahren wegen Korruptionsvorwürfen, sollte Morales in sein Heimatland zurückkehren.

UN wollen friedliche Lösung erreichen

Die Gewalt in Bolivien ruft bei den Vereinten Nationen wachsende Besorgnis hervor. Am Samstag kamen Añez und der Sonderbeauftragte von UN-Generalsekretär António Guterres, Jean Arnault, zu einem Treffen zusammen. Arnault soll mit allen Beteiligten des Konflikts das Gespräch suchen, um sich für einen friedlichen Kompromiss in der Krise einzusetzen.

Auch die UN-Kommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, befürchtet, die Lage in dem Land könnte endgültig außer Kontrolle geraten. Darum warnte sie das Militär und die Sicherheitskräfte: Die jüngsten Todesfälle bei den Protesten scheinen aus ihrer Sicht "das Ergebnis unnötiger oder unangemessener Gewalt von Polizei und Militär zu sein". Die Behörden in Bolivien müssten mit angemessener Sensibilität reagieren, andernfalls drohten sie den Ärger der Bevölkerung weiter zu schüren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. November 2019 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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