Evo Morales | REUTERS

Nach Massenprotesten in Bolivien Militär fordert Morales-Rücktritt

Stand: 17.11.2019 09:23 Uhr

Boliviens Präsident Morales hat bereits Neuwahlen angekündigt, doch vielen Menschen im Land reicht das nicht. Nun forderte auch die Armeeführung des krisengeschüttelten Landes Morales zum Rücktritt auf.

Im Machtkampf in Bolivien hat sich die Armeeführung gegen Präsident Evo Morales gestellt: Armeechef Williams Kaliman rief Morales zum Rücktritt auf. Dies solle eine "Befriedung" des durch Massenproteste erschütterten Landes und den "Erhalt der Stabilität" ermöglichen, sagte er vor Journalisten. Der General forderte die Bolivianer auf, von Gewalt abzusehen.

Zuvor hatten bereits Polizeieinheiten dem angeschlagenen Staatschef die Treue verweigert. Der nationale Polizeichef Vladimir Yuri Calderón forderte nun ebenfalls offen den Rücktritt von Morales.

Unter dem Druck der Proteste auf der Straße und der Opposition hatte der linksgerichtete Präsident Neuwahlen versprochen, allerdings offengelassen, ob er wieder antreten will. Die Opposition wies dies als unzureichend zurück und forderte ihn zum Rücktritt auf.

Anhänger des Herausforderers Mesa protestieren lautstark in La Paz. | MARTIN ALIPAZ/EPA-EFE/REX

Anhänger des Herausforderers Mesa protestieren lautstark in La Paz. Bild: MARTIN ALIPAZ/EPA-EFE/REX

"Schwerwiegende Unregelmäßigkeiten"

Zuletzt hatte auch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wegen weitverbreiteter, schwerwiegender Unregelmäßigkeiten gefordert, dass die Wahl für ungültig erklärt wird. Morales' Herausforderer bei der Wahl, Carlos Mesa, forderte den Rücktritt des Staatschefs, wenn dieser "noch einen Funken Patriotismus" habe. Auch einer der Anführer der Protestbewegung, Luis Fernando Camacho, forderte Morales' Rücktritt.

Morales ist seit 2006 an der Macht und war für eine vierte Amtszeit angetreten. Die Präsidentschaftswahl vom 20. Oktober war aber hochumstritten und von der Opposition als Wahlbetrug nicht anerkannt worden. Bürgerkomitees, die der Protestbewegung Auftrieb verliehen hatten, forderten, dass sowohl Morales als auch Mesa bei Neuwahlen nicht mehr antreten sollten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2019 um 05:00 Uhr.