Boliviens Präsidentschaftskandidat Carlos Mesa hält eine bolivische Flagge während eines Protestes in La Paz. | Bildquelle: REUTERS

Wahl in Bolivien Opposition verlangt Neuauszählung

Stand: 24.10.2019 16:10 Uhr

Inmitten des Streits um den Ausgang der Präsidentschaftswahl in Bolivien hat Präsident Morales den Sieg in der ersten Runde für sich beansprucht. Sein Vorsprung mache eine Stichwahl unnötig. Die Opposition fordert eine Neuauszählung.

Der bolivianische Präsident Evo Morales hat sich zum Sieger der ersten Runde Präsidentschaftswahlen erklärt. Er habe zehn Prozentpunkte Vorsprung, wodurch eine Stichwahl nicht mehr nötig sei. "Wir haben in der ersten Runde gewonnen. 1,5 Prozent (der Stimmen) müssen noch ausgezählt werden, wir haben mit den Stimmen der Landbevölkerung gewonnen", sagte Morales bei einer Pressekonferenz, wie die Nachrichtenagentur AP mitteilte. Die Opposition warf der Regierung nun Wahlfälschung vor und setzte ihre landesweiten Proteste fort.

Opposition protestiert vehement

In La Paz, Cochabama und anderen Städten kam es erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen von Oppositionsanhängern und Polizei, wie die Tageszeitung "El Deber" berichtete. Demonstranten legten in der Oppositionshochburg Santa Cruz Feuer vor dem Büro der Wahlkommission. Die Opposition rief zudem einen Generalstreik aus. Sie verlangte, die Stimmen der Präsidentenwahl vom Sonntag neu auszuzählen.

Morales dagegen unterstellte der Opposition, zusammen mit internationaler Unterstützung einen Staatsstreich gegen ihn zu planen. Er rief "das bolivianische Volk zur Verteidigung der Demokratie" auf. In La Paz kamen Tausende Anhänger seiner "Bewegung für Sozialismus" (MAS) zu einer Kundgebung zusammen.

Auch Wahlbeobachter für Neuauszählung

Nach Auszählung von etwa 98 Prozent der Stimmen lag Morales laut dem Obersten Wahlgericht mit rund 47 Prozent vorn. Der Oppositionskandidat Carlos Mesa kam auf rund 37 Prozent. Damit würde der Sozialist Morales ganz knapp im ersten Wahlgang gewinnen. Denn nach bolivianischen Recht braucht der Sieger der ersten Wahlrunde mehr als 40 Prozent der Stimmen und mindestens zehn Prozentpunkte Vorsprung.

Die Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) äußerten sich besorgt über den "drastischen und unerklärlichen Wandel" der Stimmen im Vergleich zum vorherigen Ergebnis. Sie plädierten ebenfalls für eine Neuauszählung. "Die Wahlergebnisse müssen glaubwürdig sein und von der ganzen Bevölkerung akzeptiert werden, nicht nur von einem Teil", erklärte die OAS, die rund 90 Wahlbeobachter nach Bolivien entsandt hatte.

Morales erklärt sich selbst zum Sieger der ersten Wahlrunde. | Bildquelle: AP
galerie

Morales erklärt sich selbst zum Sieger der ersten Wahlrunde.

Umstrittene vierte Kandidatur

Bislang hatte Morales, der erste indigene Staatschef des südamerikanischen Landes, alle Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewonnen. Seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit war umstritten. Boliviens Verfassung verbietet eigentlich eine vierte Amtszeit. Das Oberste Wahlgericht hatte jedoch im vergangenen Dezember eine erneute Kandidatur des Amtsinhabers genehmigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2019 um 17:00 Uhr.

Darstellung: