Griechische und französische Schiffe im Mittelmeer (Archivbild) | AP

Erdgasstreit mit Türkei Frankreich stellt sich hinter Athen

Stand: 13.08.2020 15:01 Uhr

Im Streit zwischen der Türkei und Griechenland verschärft sich der Ton. Beide Seiten fühlen sich provoziert. Griechenland bekommt nun Unterstützung aus Frankreich: Macron will zusätzliches Militär entsenden.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" zieht weiter seine Kreise zwischen Zypern und Kreta - mal in griechischen Gewässern, mal in türkischen, heißt es - aber immer unter den Augen von Kriegsschiffen beider Seiten.

Karin Senz ARD-Studio Istanbul

Dabei bekräftigen Ankara wie auch Athen, man wolle den Dialog. Zuletzt sagte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis: "Wir wollen Brücken bauen für Frieden und für eine gute Zusammenarbeit mit allen. Wir haben ein Abkommen über Seegrenzen mit Italien verhandelt und unterschrieben und zuletzt auch eines mit Ägypten. Diese Abkommen entsprechen voll und ganz dem Seerecht. Sie zeigen auch, dass langer Streit überwunden werden kann, wenn man guten Willens ist und sich vertraut und im Sinne von Fortschritt und Wohlstand für die Menschen gehandelt wird, und das immer im Einvernehmen mit dem internationalen Recht."

Um die Jahreswende schloss Griechenland auch schon ein Abkommen mit Zypern und Israel, eine Pipeline zu bauen. Auch da blieb die Türkei außen vor.

Der Politikwissenschaftler Abdullah Agar sagte im türkischen Fernsehen: "Griechenland hat also drei Vertragsmodelle umgesetzt. Das ist ein Unding. Man wird sehen, dass Griechenland dafür im Rahmen des internationalen Rechts und des Fairplays noch zur Rechenschaft gezogen werden wird."

Türkei spricht von "Piratenvertrag"

Die Türkei schloss ihrerseits im November ein Seerechtsabkommen mit Libyen. Da geht es um Gebiete, die sich teils mit denen im griechisch-ägyptischen Abkommen überschneiden. Die Türkei erklärte das für null und nichtig, es handle sich um einen Piratenvertrag.

Sie ärgert sich auch, weil Präsident Recep Tayyip Erdogan kurz zuvor Kanzlerin Angela Merkel versprach, erstmal keine neuen Forschungsschiffe loszuschicken, sondern auf Dialog zu setzen. Man fühlt sich durch das griechisch-ägyptische Abkommen hintergangen und provoziert.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu: "Unsere Schiffe sind wieder ausgelaufen, die 'Oruc Reis' ist in ihr Forschungsgebiet gefahren. Und ab Ende August werden wir auch in neuen Gebieten, in den westlichen Grenzen unseres Festlandsockels seismische Forschungen und Probebohrungen vornehmen. Da sind wir fest entschlossen. Wir werden unsere Rechte bis zum Schluss verteidigen."

"Keine Provokation wird unbeantwortet bleiben"

In Athen gibt es Krisensitzungen, man fordert EU-Unterstützung und ein Sondertreffen der Außenminister. Die beschäftigen sich morgen mit dem Thema. Frankreich verspricht mehr Militär in das östliche Mittelmeer zu schicken, es stärkt Athen den Rücken. Außerdem will der griechische Außenminister Dendias mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo über das Thema sprechen.

Griechenlands Regierungschef Mitsotakis warnt: "Lassen Sie mich das klarstellen: das Risiko eines Unfalls steigt, wenn so viel Militär in einem bestimmten Gebiet unterwegs ist. In dem Fall trägt die Verantwortung der, der das Ganze ausgelöst hat. Selbstbeherrschung ist nur ein Aspekt unserer Macht. Keine Provokation wird unbeantwortet bleiben. Wir haben gezeigt, dass wir antworten werden, wenn es nötig ist. Und das werden wir bei Bedarf auch wieder tun."