Flugzeuge der Fluggesellschaft Lion Air stehen auf dem International Airport auf Bali. | Bildquelle: dpa

Flugzeugabstürze 737 Max 8 Keine Anleitung, kein Training

Stand: 02.04.2019 07:32 Uhr

Nach den Boeing-Abstürzen kommen mehr Details ans Licht. Beim vorletzten Flug der 737 Max 8 in Indonesien konnte ein dritter Pilot ähnliche Probleme beheben. Zudem soll es keine Anleitungen für das neue Flugkontrollsystem gegeben haben.

Nach den Flugzeugabstürzen des Typs Boeing 737 Max 8 in Äthiopien und Indonesien gibt es neue Erkenntnisse. Bei dem vorletzten Flug der Unglücksmaschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air seien ähnliche Probleme aufgetreten wie am Tag des Absturzes, teilte die indonesische Behörde für Verkehrsicherheit mit.

Dritter Pilot konnte Maschine manövrieren

An Bord sei aber ein dritter Pilot gewesen, mit dem die Piloten im Cockpit das Problem lösen konnten. Deshalb konnten sie das Flugzeug am 28. Oktober sicher von Denpasar nach Jakarta manövrieren.

Nur einen Tag später, am 29. Oktober, war das Flugzeug wenige Minuten nach dem Start vor der Küste Indonesiens abgestürzt. Alle 189 Insassen starben.

Der Chef der Verkehrssicherheitsbehörde, Soerjanto Tjahjono, sagte über den dritten Piloten an Bord, dieser sei für das Fliegen der Boeing 737 Max 8 ausgebildet gewesen. Boeing sei beauftragt worden, den betroffenen Flug zu rekonstruieren. Ein vorläufiger Bericht zu dem Unglück enthielt keine Angaben zur wahrscheinlichen Absturzursache.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass die Piloten bei dem Absturz der Maschine in Indonesien verzweifelt im Handbuch nach einer Lösung des Problems suchten.

Boeing Abstürze PK Indonesien | Bildquelle: MAST IRHAM/EPA-EFE/REX
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Der Chef der Verkehrssicherheitsbehörde, Soerjanto Tjahjono, sagte über den dritten Piloten an Bord, dieser sei für das Fliegen der Boeing 737 Max 8 ausgebildet gewesen.

"Keine Anleitungen für neues Flugkontrollsystem"

Das Interesse an den Untersuchungen zum Lion-Air-Absturz ist gewachsen, seit Anfang März auch ein Ethiopian-Airlines-Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 in Äthiopien abgestürzt ist. Dabei verloren alle 157 Insassen ihr Leben. Wegen Ähnlichkeiten bei den Abstürzen hat Boeing als Vorsichtsmaßnahme entschieden, Max-8-Maschinen weltweit nicht mehr starten zu lassen.

Ein Ethiopian-Airlines-Pilot, der anonym bleiben will, erhob weitere schwere Vorwürfe gegen Boeing und seinen eigenen Arbeitgeber: Boeing habe keine Anleitungen für das neue Flugkontrollsystem MCAS geschickt, und der Unglückspilot habe nicht am Simulator trainieren können. "Wir wussten über MCAS mehr aus den Medien als von Boeing", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Dem widersprach Ethioppian Airlines. Alle Piloten seien ausreichend für das Fliegen mit der Boeing 737 Max 8 geschult worden. Sie hätten das von Boeing empfohlene und von der US-Luftfahrtbehörde FAA genehmigte Übergangstraining von der Boeing 737 NG auf das Nachfolgemodell Boeing 737 MAX absolviert, teilte die Fluggesellschaft mit. Das Unternehmen räumte jedoch ein, dass der Flugsimulator für die 737 Max 8 nicht dafür ausgelegt war, die Probleme der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS zu simulieren.

FBI hat sich eingeschaltet

In den USA hat sich unterdessen auch das FBI in die Untersuchungen eingeschaltet. Die US-Bundespolizei schloss sich laut einem Zeitungsbericht strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Zulassung von Boeings Unglücksflieger 737 Max an. Eine Sprecherin der US-Bundespolizei wollte dies weder bestätigen noch dementieren. Boeing lehnte eine Stellungnahme ab.

Der zuständige Ausschuss des US-Senats will eine Anhörung einberufen, bei der Boeing-Manager sich erstmals in einem solchen Rahmen zu den insgesamt zwei Unfällen äußern sollen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. März 2019 um 04:00 Uhr in den Nachrichten.

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