Rettungskräfte an der Absturzstelle der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien. | Bildquelle: AP

Nach Boeing-Absturz Flugschreiber-Auswertung in Deutschland

Stand: 13.03.2019 18:56 Uhr

Der Flugschreiber der über Äthiopien abgestürzten Boeing 737 Max 8 soll in Deutschland ausgewertet werden. Das teilte ein Sprecher der Ethiopian Airlines mit. Immer mehr Länder, darunter nun auch Kanada, sperren ihren Luftraum für das Flugzeug.

Die äthiopischen Luftfahrexperten suchen sich Hilfe bei der Auswertung der Black Box aus der am Sonntag abgestürzten Boeing 737 Max 8. Wie der Sprecher der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines, Asrat Begashaw, mitteilte, soll der Flugschreiber der verunglückten Maschine in Deutschland ausgewertet werden.

Zuvor hatte die Airline erklärt, Äthiopien habe nicht die nötige Ausrüstung, um den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder auszuwerten. Das Flugzeug der als sicher geltenden äthiopischen Fluggesellschaft war kurz nach dem Start in Addis Abeba verunglückt. Alle 157 Insassen kamen bei dem Absturz ums Leben.

Norwegian Air fordert Schadenersatz

Der Flugzeugtyp 737 Max 8 ist in die Kritik geraten, da bereits im Oktober 2018 eine Maschine des Typs über Indonesien abgestürzt war. In den vergangenen Tagen hatten immer mehr Staaten ihren Luftraum für Boeing 737 Max 8 gesperrt, darunter die gesamte Europäische Union.

Heute zogen auch die Türkei, Indien, Thailand, Ägypten, der Libanon und Hongkong nach. Die USA stehen hingegen weiterhin zu Boeing - und stehen mit dieser Einschätzung zunehmend alleine da.

Mit Norwegian Air Shuttle fordert nun die erste Fluggesellschaft Entschädigung vom US-Flugzeugbauer Boeing. Eine Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur AP, ihr Unternehmen "sollte keinerlei finanzielle Bürden für ein brandneues Flugzeug tragen, das nicht genutzt werden kann". Auf Empfehlung der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA hatte Norwegian Air Shuttle am Dienstag alle Flüge mit seinen 18 Max 8-Maschinen gestrichen.

Tuifly chartert Ersatzmaschinen

Die ersten Fluggesellschaften beginnen nun, sich umzustellen: Der Tui-Konzern, zu dessen Flotte 15 Maschinen des Typs 737 Max 8 gehören, will durch das Chartern von Fremdmaschinen Ausfälle vor dem Oster-Reiseverkehr umgehen. "Für Deutschland ist das Thema ja irrelevant, weil wir hier noch keine Maschinen dieses Typs haben - in den anderen Ländern werden wir jedoch die Kapazitäten anpassen müssen", sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt. Geplant seien zudem der Rückgriff auf Ersatzkapazitäten sowie Umbuchungen von Passagieren auf andere Flüge. Den Konzern kommt das teuer: Das Flugverbot für die Boeing 737 Max 8 kostet Tui nach eigenen Angaben bereits jetzt rund drei Millionen Euro pro Woche.

Die Boeing-Maschinen des Typs sind für Tui in Großbritannien und den Benelux-Staaten auf Strecken zu den Kanaren oder den Kapverden im Einsatz. Die Einführung der jüngsten Version des Boeing-Verkaufsschlagers in Deutschland ist nun fraglich - ursprünglich sollte die erste Übergabe des ersten Jets an die Tuifly Deutschland diese Woche erfolgen. Zur Frage möglicher Kompensationszahlungen für den Ausfall wollte sich Tui zunächst nicht äußern.

Ein Flugzeug vom Typ Boeing 737 Max 8, das für die Reisegesellschaft TUI gebaut wird, steht auf einer Außenfläche des Fertigungswerks von Boeing. | Bildquelle: dpa
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Ein Flugzeug vom Typ Boeing 737 Max 8, das für TUI gebaut wird, steht auf einer Außenfläche des Fertigungswerks von Boeing.

Vom Hersteller in Aussicht gestellte Updates für eine möglicherweise problematische Steuerungssoftware werden in den nächsten Tagen erwartet und sollen dann auf die Bordcomputer geladen werden. Eine eigene Schulung der Tui-Besatzungen dafür sei nicht nötig, hieß es.

Kanada schließt Luftraum

Nachdem gestern Europa und zahlreichen asiatischen Ländern ihren Luftraum für die Boeing 737 Max A gesperrt hatten, zog am Abend auch Kanada nach. Zuvor hatten heute bereits Australien, Neuseeland und Mexiko ein Start- und Landeverbot angeordnet. Sie alle haben Bedenken, weil gleich zwei neue Maschinen des Typs innerhalb eines halben Jahres verunglückten.

alt Archivbild: Eine Boeing Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines  im Bole International Airport Addis Ababa | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX

Boeing 737 Max 8

Länder, die ein Startverbot verhängt haben:
Deutschland, Türkei, Indien, Thailand, Ägypten, China, Indonesien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Irland, die Niederlande, Singapur, Australien, Malaysia, Oman, Ägypten, der Libanon, Kosovo, Hongkong, Kanada

Airlines, die auf den Einsatz vorerst verzichten:
Norwegian Airlines, Ethiopian Airlines, die mexikanische Aeroméxico, Aerolíneas Argentinas, Icelandair, Cayman Airways aus der Karibik, die südkoreanische Airline Eastar, die brasilianische Gesellschaft Gol und Südafrikas Comair,

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2019 um 13:00 Uhr.

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