Roman Protasewitsch | picture alliance / NurPhoto

Nach Festnahme in Minsk Von Protasewitsch fehlt jede Spur

Stand: 24.05.2021 13:06 Uhr

Der Blogger Protasewitsch prägte die Proteste gegen den belarusischen Präsidenten Lukaschenko entscheidend mit. Gestern wurde er nach einer erzwungenen Flugzeuglandung festgenommen. Wo er hingebracht wurde, ist unklar.

Von Karla Engelhard, ARD-Studio Moskau, zzt. Berlin

Nach seiner Festnahme in Minsk fehlt von dem belarusischen Journalisten Roman Protasewitsch jede Spur. Seine Eltern erfuhren von seiner Verhaftung aus den sozialen Netzwerken. Sein Vater sagte in einem Radiointerview kurz darauf: "Wir haben zwar eine Vermutung, aber keine genauen Angaben, wo er sich befindet. Höchstwahrscheinlich ist er in Untersuchungshaft der Staatssicherheit KGB."

Karla Engelhard ARD-Studio Moskau

Der 26-Jährige lebt im Exil und war mit seiner Freundin in Griechenland im Urlaub. Auf dem Rückflug von Athen nach Vilnius wurde die Ryanair-Maschine im belarusischen Luftraum zum Landen in Minsk aufgefordert, begleitet von einem Militärflieger. Der Grund: ein angeblicher Bombenalarm. Ein Sprengsatz wurde jedoch nicht gefunden. Während die mehr als 120 Passagiere nach Stunden weiterfliegen konnten, wurde Protasewitsch festgenommen. Auch seine Freundin wurde verhaftet.

"Geheimdienst ist auch über die Landesgrenzen hinaus aktiv"

Der unabhängige Politologe Valerij Karbalewitsch sagt zu dem Vorfall: "Das war eine Bestrafungsaktion gegen einen Menschen, um allen zu zeigen, dass dies mit jedem passiert, der gegen die belarusische Macht etwas 'Schädliches' unternommen hat, und dass der belarusische Geheimdienst auch über die Landesgrenzen hinaus aktiv ist."

Dem festgenommen Blogger wird unter anderem die Organisation von Massenunruhen und Hetze vorgeworfen. Ihm könnte, so einige Menschenrechtsorganisationen, die Todesstrafe drohen.

Quelle für Infos über Demokratiebewegung

Der ehemalige Chefredakteur der Internetplattform Nexta prägte die Proteste gegen den belarusischen Präsidenten Alexander Lukaschenko wesentlich mit. Nexta wurde bereits von den Behörden des Landes als extremistisch eingestuft. Protasewitsch, so hieß es in den belarusischen Staatsmedien, könne eine wertvolle Quelle sein, um mehr über die - so wörtlich - "destruktiven Kräfte" zu erfahren, die am Werk seien. Gemeint ist damit die belarusische Demokratiebewegung.

Die internationalen Forderungen nach Protasewitschs Freilassung blieben bisher unkommentiert. Die belarusischen Behörden halten an ihrer Version einer Bombendrohung fest.

Das EU-Land Litauen leitete bereits eine strafrechtliche Untersuchung ein - wegen Flugzeugentführung zu terroristischen Zwecken und wegen des Verstoßes gegen internationale Verträge. Und Lettlands staatliche Fluggesellschaft Air Baltic will ab sofort den belarusischen Luftraum meiden.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 24. Mai 2021 um 13:00 Uhr.

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Moderation 24.05.2021 • 20:54 Uhr

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