Demonstration für saudischen Blogger Badawi in Den Haag

AI kämpft für saudischen Blogger Badawi Auspeitschung und kein Ende

Stand: 16.01.2015 13:16 Uhr

Heute sollte der saudische Blogger Raif Badawi wegen Beleidigung des Islams erneut ausgepeitscht werden. Aus medizinischen Gründen sei dies aber verschoben worden, teilte Amnesty International mit. Trotzdem soll der Rest der Strafe - 1000 Peitschenhiebe - vollstreckt werden.

Cornelia Wegerhoff ARD-Studio Kairo

Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Raif Badawi sei ganz still gewesen. Aber man habe sehen können, dass er große Schmerzen zu ertragen hat.  So berichtete ein Augenzeuge von der ersten öffentlichen Auspeitschung des saudi-arabischen Bloggers vor einer Woche. In der Mittagszeit, der Zeit des Freitagsgebet sei der 31-Jährige mit einem Polizeitransporter zur Al-Dschalafi-Moschee in Dschiddah gebracht worden.

Als die Moschee-Besucher das Fahrzeug gesehen hätten, hätten sie gleich gewusst, dass jemand ausgepeitscht werden soll, sagt der Augenzeuge. Die Menschen hätten sich im Kreis aufgestellt und sich erkundigt, was dem Mann denn vorgeworfen wird, der kurz darauf in Hand- und Fußschellen vorgeführt wurde. Das Vergehen: Badawi veröffentlichte im Internet Beiträge, die den Islam beleidigt haben sollen.

"Er hatte eine Online-Plattform eingerichtet, um über seine liberalen Ideen zu schreiben", sagt seine Frau, Ensaf Haidar, bei einem Interview in Kanada. Dort lebt sie inzwischen mit den Kindern im Asyl. Raif war für mehr religiöse Freiheit und gegen religiöse Symbole. Darüber hat er geschrieben. "Eigentlich ist es sein Recht als Bürger, seine Meinung zu sagen. Es gibt Bestimmungen und Gesetze. Raif hat sie nicht überschritten", verteidigt ihn seine Frau.

Tatbestand: "Abfall vom Glauben"

Bereits im Juli 2012 begann im streng muslimischen Königreich das Verfahren gegen den jungen Blogger. Ein Gericht in Dschiddah erklärte sich damals nicht für zuständig, stellte aber fest, dass Badawi den Islam nicht beleidigt habe und daher keine Anklage erheben werde. "Abfall vom Glauben", so heißt der Tatbestand, der dem Mann dann aber trotzdem von der Generalstaatsanwaltschaft vorgeworfen wurde.

Zehn Jahre Haft und 1000 Peitschenhiebe

Ein Berufungsgericht verurteilte ihn erst zu sieben Jahren Haft und 600 Peitschenhieben. Nachdem Badawi Einspruch eingelegt hatte, wurde die Strafe beim nächsten Richterspruch auf zehn Jahre Haft und 1000 Peitschenhiebe erhöht.

20 Wochen lang, so lautet die Anordnung, wird ein Polizeioffizier nun jeden Freitag 50 Mal mit einer großen Rute auf den Rücken des Verurteilten schlagen. Auf die internationalen Proteste gab es aus Saudi-Arabien bisher keinerlei Reaktionen.

"Es gibt bisher keine Neuigkeiten", sagt Badawis Frau. "Sie werden jeden Freitag das gleiche wieder tun. Vor der Moschee, auf dem 'Platz der Strafe', wie sie ihn nennen. Es ist ein Albtraum. Ich lebe nur noch für die Hoffnung, dass das aufhört." Für den heutigen Freitag scheint der Albtraum zumindest unterbrochen zu sein. Die 50 Stockschläge wurden nach Angaben von Amnesty verschoben. Medizinische Gründe seien genannt worden. Die restliche Strafe soll aber vollstreckt werden.

Amnesty: Badawi ist gewaltloser, politischer Gefangener

Amnesty International und auch zahlreiche kanadische Menschenrechtsgruppen, die Badawis Frau im Asyl unterstützen, fordern von den saudi-arabischen Behörden das sofortige Ende der Strafvollstreckung. Die Auspeitschung verstoße gegen das Völkerrecht, in dem Folter und andere grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung verboten ist. Badawi sei ein gewaltloser, politischer Gefangener, so Amnesty. Er habe lediglich sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen.

Einen Tag vor Beginn der Auspeitschung hatte der saudische Botschafter in Paris übrigens am Trauermarsch für die Opfer des Satiremagazins "Charlie Hebdo" teilgenommen. Dort forderten Millionen Menschen Gewaltlosigkeit und Meinungsfreiheit.

Dieser Beitrag lief am 16. Januar 2015 um 12:45 Uhr im Deutschlandfunk.