Der Einzeller Blob in einer Petrischale | Bildquelle: AFP

Einzeller "Blob" in Paris Aliens aus der Petrischale

Stand: 22.10.2019 18:15 Uhr

Im Pariser Zoo gibt es ein besonderes Wesen zu bewundern: Blob. Der Einzeller ist weder Pflanze noch Tier, hochintelligent und kann sich gut orientieren. Interessant ist aber auch sein Paarungsverhalten.

Von David Differdange, ARD-Studio Paris

Er sieht nach Alien aus. Und nach Science-Fiction. Aber er kommt ganz harmlos aus der Petrischale: Blob ist der neue, ungewöhnliche Star des Pariser Tierparks. Ein Organismus aus gelblichen Knoten und Fäden, der auf altem, feuchtem Holz ein Netzwerk bildet. Der Pariser Zoo ist der Erste, der den Einzeller ausstellt. Sogar ein eigener Raum wurde eingerichtet, die sogenannte Blobzone.

"Es ist Aufgabe des Pariser Zoos, das Faszinierende des Lebens und die ungeahnten Möglichkeiten zu zeigen", erklärt Direktor Pierre-Yves Bureau. "Etwa Intelligenz bei Lebewesen ohne Gehirn. Dazu passt der Blob, der interagieren und sogar Rätsel lösen kann."

Lieblingsspeise: Haferflocken und Pilze

Der Blob wirft immer noch Fragen auf, denn er ist weder Pflanze noch Tier. Obwohl er zur Familie der Schleimpilze gehört, zeigt er intelligentes Verhalten. Blob kann sich pro Stunde bis zu vier Zentimeter fortbewegen und Nahrung mithilfe eines Enzyms verdauen. In Paris ernährt sich der Organismus von Haferflocken und Pilzen. Nach der Zucht wird er ins Terrarium umgesiedelt.

Marlène Itan ist eine der Pflegerinnen, die den Blob betreut. Sie hat erlebt, wie kreativ der Einzeller bei der Nahrungssuche werden kann. "Der ganze Tisch hier war voll. Das heißt, Blob war aus den Petrischalen geflüchtet, weil er alles an Schimmel und Proteinen in den Haferflocken verdaut hatte. Er ist durch die Schale gewandert und hat dann draußen weiter nach etwas Essbarem gesucht."

Der Einzeller Blob in einer Petrischale | Bildquelle: REUTERS
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Blob ernährt sich vor allem von Proteinen - in diesem Fall von von einem Stück Baumrinde.

Guter Orientierungssinn

Blob ist in der Lage, sich zu orientieren und kann den kürzesten Weg zwischen Nahrungsquellen finden. Hierfür wächst er und bildet ein großes Geflecht -  manchmal über einen Quadratmeter groß. Hat der Blob Nahrung gefunden, bildet er sich auf die direkten Verbindungen zum Futter zurück. Japanische Forscher haben nachgewiesen, dass der Schleimpilz sogar aus einem Labyrinth herausfinden kann.

Für Itan machen diese Eigenschaften den Blob so spannend. "Man weiß von Tag zu Tag nicht, wie und wo er sich hinentwickelt. Das ist halt schon etwas anderes, als Tiere anzuschauen. Ich glaube, dass es für Kinder und auch Erwachsene sehr interessant ist. Sie werden bei einem Waldspaziergang anders darauf achten. Und vielleicht sehen sie einen Blob in der Natur." Denn Formen des Blobs gibt es überall dort, wo es feucht und dunkel ist.

720 Paarungstypen

Besonders faszinierend ist die Fortpflanzung des Einzellers. Es gibt 720 mögliche Varianten - oder besser Paarungstypen - der Art. Kein Wunder, dass der Pariser Zoo kräftig Werbung für die neue Attraktion macht. Das Interesse sei jedenfalls riesig, sagt Zoodirektor Pierre-Yves Bureau:

"Ich kann mich über die Berichterstattung nur freuen. Und ich verstehe das auch, weil dieses Wesen bei allen, in Forschung und dem breiten Publikum, Fragen aufwirft. Wir reden von einem Organismus, der im Gegensatz zu uns nur eine Zelle hat. Und sich trotzdem bewegen und fortpflanzen kann."

Beim Namen Blob hat sich die Wissenschaft übrigens schon vor Jahren einen Scherz erlaubt: Physarum polycephalum, so der richtige Name, bekam seinen Spitznamen nach einem Horrorfilm aus den 1950er-Jahren. Während der Schleim dort Menschen verspeist, ist der echte Blob nur hinter nahrhaften Pilzen her.

Pariser Zoo stellt mysteriösen Einzeller "Blob" aus

22.10.2019 18:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 18. Oktober 2019 um 15:38 Uhr.

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