Michel Platini im Gespräch mit Joseph Blatter | AFP

Schweizer Bundesanwaltschaft Bewährung für Blatter und Platini gefordert

Stand: 15.06.2022 14:38 Uhr

Ein Jahr und acht Monate - auf Bewährung: Das hat die Schweizer Bundesanwaltschaft im Prozess gegen Ex-FIFA-Präsident Blatter und Ex-UEFA-Chef Platini gefordert. Beide müssen sich wegen des Vorwurfs des Betrugs verantworten.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat im Prozess gegen den früheren FIFA-Präsidenten Joseph Blatter und Ex-UEFA-Chef Michel Platini für beide eine Freiheitsstrafe von jeweils einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung gefordert. Platini soll zudem eine Geldstrafe von rund 2,2 Millionen Franken (rund 2,1 Millionen Euro) zahlen.

"Nicht den Hauch von Reue gezeigt"

Blatter und Platini seien des Betrugs, allenfalls der Veruntreuung oder der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie der Urkundenfälschung schuldig, sagte Bundesstaatsanwalt Thomas Hildbrand vor dem Bundesstrafgericht. Die Angeklagten hätten "nicht den Hauch von Reue" gezeigt. Beide hätten sich frei für und gegen das Recht entscheiden können - und sich "ohne triftigen Grund" für das Unrecht entschieden, sagte Hildebrand. Das Urteil gegen den 86-jährigen Schweizer Blatter und den 66-jährigen Franzosen Platini wird am 8. Juli erwartet.

Worum geht es in dem Prozess?

Unumstritten ist, dass Platini zwischen 1998 und 2002 einen Beratervertrag mit Blatter während dessen erster Amtszeit als FIFA-Präsident hatte. 1999 unterzeichneten die beiden einen Vertrag, der für Platini eine jährliche Bezahlung von 300.000 Schweizer Franken vorsah, die vollständig von der FIFA bezahlt wurden. UEFA-Chef wurde Platini erst einige Jahre später.

Laut Staatsanwaltschaft machte Platini aber im Januar 2011, also "mehr als acht Jahre nach dem Ende seiner Beratertätigkeit", einen Außenstand von rund zwei Millionen Euro gegenüber der FIFA geltend. Die Auszahlung dieser Summe durch die FIFA sei "ohne Grundlage" erfolgt, hatte die Anklage zum Prozessauftakt erklärt.

Blatter und Platini plädieren auf Unschuld

Blatter und Platini versichern dagegen, sie hätten von Anfang an ein Jahresgehalt für den früheren französischen Fußball-Nationalspieler in Höhe von einer Million Franken vereinbart - allerdings mündlich und ohne Zeugen. Die Finanzlage der FIFA habe aber keine direkte Auszahlung dieser Summe an Platini erlaubt.

Dem Prozess waren sechsjährige Ermittlungen vorausgegangen.