US-Präsident Biden. | REUTERS

Rückkehr zu US-Tradition Biden veröffentlicht Steuererklärung

Stand: 18.05.2021 08:31 Uhr

US-Präsident Biden hat eine von seinem Vorgänger unterbrochene Tradition wieder aufleben lassen und seine Steuererklärung veröffentlicht. Demnach verdiente er im vergangenen Jahr weniger als seine Stellvertreterin.

US-Präsident Joe Biden hat eine alte US-Tradition wieder aufgenommen - nämlich die, dass der Präsident seine Steuererklärung öffentlich macht. Auch als Präsidentschaftskandidat hatte Biden seine Unterlagen schon öffentlich zugänglich gemacht. Laut der aktuellen Papiere erzielten Biden und seine Frau Jill, die als College-Lehrerin arbeitet, im Jahr 2020 ein Einkommen von gut 600.000 US-Dollar - umgerechnet 500.000 Euro.

Das Ehepaar habe gut 157.000 Dollar Einkommenssteuer an den Bund gezahlt und weitere 29.000 Dollar in seinem Heimatstaat Delaware gezahlt, teilte das Weiße Haus mit. Für Biden war 2019 finanziell ein besseres Jahr: Damals hatten er und seine Frau Jill den Angaben zufolge noch ein Einkommen von gut 985.000 Dollar.

US-Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Ehemann Douglas Emhoff gaben für 2020 ein Einkommen von 1,7 Millionen Dollar an, worauf sie insgesamt rund 800.000 Dollar Steuern zahlten. Auch für die frühere Senatorin und ihren Mann, einen erfolgreichen Anwalt, fielen die Einnahmen im Wahlkampfjahr deutlich geringer aus als 2019. Damals kamen die beiden auf ein Gesamteinkommen von knapp 3,3 Millionen Dollar.

Trump brach mit Tradition

Der vor allem mit Immobiliengeschäften zu Reichtum gekommene politische Seiteneinsteiger Trump hatte sich dieser Tradition als Präsident stets verweigert und vor Gericht bis zuletzt darum gekämpft, seine Steuerzahlungen weiter geheim zu halten. Er war der erste US-Präsident seit Richard Nixon, der seine Finanzen unter Verschluss hielt. Womöglich aus gutem Grund: Berichten von US-Medien zufolge soll der Republikaner Trump jahrelang kaum Einkommenssteuer an den Bund gezahlt haben.

Die "New York Times" hatte im vergangenen September berichtet, dass Trump in elf der 18 Jahre von 2000 bis 2017 keine Einkommensteuer auf Bundesebene zahlte - und 2016 und 2017 jeweils nur 750 Dollar. Trump wies den Bericht damals pauschal zurück, verwies aber auch darauf, dass der Präsident andere Steuern in Millionenhöhe zahle. Allerdings hatte Trump aus seiner Abneigung gegen Steuern nie einen Hehl gemacht: "Nur Dummköpfe zahlen viele Steuern", sagte er mehrfach.

Laufende Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft New York dürfte wegen laufender Ermittlungen und aufgrund eines entsprechenden Urteils des Obersten Gerichtshofs Einblick in Trumps Steuerunterlagen bekommen oder bereits haben. Eine Veröffentlichung der Unterlagen scheint jedoch unwahrscheinlich.

Biden will die Einkommenssteuer für Spitzenverdiener erhöhen - wovon er auch selbst betroffen wäre. Mit den Einnahmen will Biden große Investitionen in Infrastruktur und Sozialleistungen finanzieren. Ob er dafür die Zustimmung des Kongresses gewinnen kann, ist allerdings noch ungewiss, weil er dafür im Senat auf mehrere Abweichler bei den Republikanern angewiesen wäre.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2021 um 08:00 Uhr.