Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden | Bildquelle: AP

Vorwürfe gegen Joe Biden "Es ist nie geschehen"

Stand: 01.05.2020 18:10 Uhr

Der frühere US-Vizepräsident Biden weist Vorwürfe zurück, er habe 1993 eine Mitarbeiterin sexuell bedrängt. Die Beschuldigungen kommen für Biden zur Unzeit, denn er will im Herbst gegen Donald Trump antreten.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Mehr als 17 Minuten fragt Moderatorin Mika Brzezinski immer wieder nach. Sie dreht die Fragen, fasst nach, erklärt. Und immer wieder weist der frühere Vizepräsident, Joe Biden, den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs zurück: Das sei ist nicht wahr, sagt Biden im Fernsehsender MSNBC. Und weiter: Er erkläre eindeutig, dass so etwas nie passiert ist. Es sei nie geschehen, wiederholt er in der gleichen Antwort.

Gegen die Wand gedrückt und unter den Rock gegriffen?

Der Vorwurf, gegen den sich der 77-Jährige wehrt, stammt von Tara Reade. Die Amerikanerin hatte in den 1990er Jahren im Büro des damaligen Senators Biden gearbeitet. Reade beschuldigt Biden, er habe sie 1993 in einem Senatsgebäude an die Wand gedrückt und ihr unter den Rock gegriffen. In Amerika werden die Vorwürfe wieder diskutiert, seit neue Aussagen aufgetaucht sind. Und seit die Schauspielerin Rose McGowan, als prominente Vertreterin der MeToo-Bewegung, über ihre Enttäuschung im Netz getextet hat.

Joe Biden sagt zu den Vorwürfen weiter: "Frauen haben ein Recht, gehört zu werden, und die Presse sollte ihre Vorwürfe rigoros aufklären. Dieses Prinzip habe ich immer verteidigt. Aber am Ende zählt in jedem Fall die Wahrheit. Und in diesem Fall sind die Anschuldigungen falsch."

Nationale Archive sollen Beschwerden öffentlich machen

In seinem Versuch sich zu verteidigen, hat Biden die Nationalen Archive nun aufgefordert, Beschwerden über sein Verhalten öffentlich zu machen, falls es solche Beschwerden aus seiner Zeit als Senator gibt. "Ich bin sicher, dass es nichts gibt. Niemand hat jemals so etwas mir gegenüber vorgebracht - oder gegenüber meinem Senatsbüro damals irgendwelche Vorwürfe."

An der Stelle wird die Interviewsituation immer angespannter. Moderatorin Brzezinski will von Biden wissen, warum nicht auch die Universität von Delaware Dokumente aus seiner Zeit als Senator zur Verfügung stellt. Biden sagt in seinem improvisierten Fernsehstudio, wenn es Beschwerden gibt, dann lägen sie im Nationalen Archiv.

Der frühere Vize-Präsident soll im Sommer Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden und im Herbst gegen Präsident Trump antreten. Seit Wochen ist wegen der Corona-Pandemie kein Wahlkampf möglich. Für viele Amerikaner wirkt das Fernsehinterview deshalb wie der erste öffentliche Auftritt Bidens seit langem.

Joe Biden weist Vorwurf eines sexuellen Übergriffs zurück
Torsten Teichmann, ARD Washinton
01.05.2020 18:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 01. Mai 2020 um 17:08 Uhr.

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