Der designierte US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden | Bildquelle: AP

Nominierung bei Demokraten Biden hat die Stimmen zusammen

Stand: 06.06.2020 07:55 Uhr

Nach den jüngsten Vorwahlen hat Ex-Vizepräsident Biden nun auch offiziell die nötigen Stimmen zusammen, um für die US-Präsidentschaftswahl nominiert zu werden. Er wolle "die Schlacht um die Seele dieser Nation" gewinnen, erklärte er.

Der Demokrat Joe Biden hat das Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur seiner Partei formal für sich entschieden. Die Nachrichtenagentur AP und CBS sagten voraus, dass der frühere Vizepräsident die nötige Zahl von 1991 Delegierten hinter sich habe, um beim Parteitag der Demokraten als Gegenkandidat des republikanischen Amtsinhabers Donald Trump nominiert zu werden. Auch Biden selbst erklärte, er habe die nötigen Stimmen für die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei gesichert.

Am Dienstag hatten sieben Bundesstaaten sowie die US-Hauptstadt Washington Vorwahlen abgehalten. Biden konnte sich dabei erwartungsgemäß überall durchsetzen. Biden galt nach dem Ausscheiden seiner Mitbewerber bereits als designierter Kandidat der Demokraten. Nun hat er auch die nötigen Stimmen für die Nominierung - und dürfte bei den noch ausstehenden Vorwahlen in acht weiteren Bundesstaaten und drei US-Territorien sicher noch dazugewinnen.

Biden will polarisiertes Land einen

"Es war eine Ehre, mit einer der talentiertesten Gruppen von Kandidaten zu konkurrieren, die jemals für die Demokratische Partei angetreten sind", erklärte Biden. Er sei stolz, dass die Partei geeint in die Wahl ziehe.

Er werde sich bemühen, das Land nach den polarisierenden Jahren unter Trump zu einen, teilte der 77-Jährige mit. "Ich werde jeden Tag bis zum 3. November dafür kämpfen, mir die Stimmen von Amerikanern überall in diesem großartigen Land zu verdienen, damit wir gemeinsam die Schlacht um die Seele dieser Nation gewinnen und sicherstellen können, dass wir beim Wiederaufbau der Wirtschaft jeden mitnehmen."

Die USA erleben derzeit eine Welle an Protesten gegen Rassismus. Hintergrund ist der Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis. "Dies ist eine schwierige Zeit in der amerikanischen Geschichte. Und Donald Trumps wütender und spaltender Politikstil ist keine Antwort", erklärte Biden. "Das Land schreit nach Führung. Einer Führung, die uns vereinen kann."

Biden hatte den Tod Floyds zuvor als "Weckruf für unsere Nation" bezeichnet und Trump vorgeworfen, die USA zu einem "von alten Vorurteilen und neuen Ängsten zerrissenen Schlachtfeld" zu verwandeln.

Verzögerungen durch Corona-Pandemie

Durch die Corona-Pandemie ist der US-Wahlkampf komplett auf den Kopf gestellt. Kundgebungen sind wegen der Ausbreitung des Virus seit Wochen abgesagt. Viele Vorwahlen wurden verschoben, auch der Parteitag der Demokraten wurde von Juli auf August verlegt. Ob und wann wieder große Wahlkampfveranstaltungen stattfinden können, ist unklar. Viele Bundesstaaten haben die Vorwahlen ganz auf Briefwahl umgestellt oder diese Option zumindest deutlich ausgebaut.

Zwischenzeitlich bewarben sich mehr als 20 Kandidaten um das Amt des demokratischen Präsidentschaftsanwärters. Biden startete schwach in die Vorwahlen, nahm dann aber Fahrt auf. Am Ende verdichtete sich das Rennen auf einen Zweikampf zwischen dem als moderat eingestuften Biden und dessen linksgerichtetem Konkurrenten Bernie Sanders. Schließlich warf auch Sanders das Handtuch.

Laut der Website RealClearPolitics liegt Biden in den landesweiten Umfragen im Schnitt aktuell 7,1 Prozentpunkte vor Trump. Erwartet wird, dass er bald seine Vizekandidatin für das Präsidentschaftsrennen bekannt geben wird. Als Favoritin für den wichtigen Posten gilt die Senatorin Kamala Harris. Die 55-jährige Ex-Anwältin mit jamaikanischen und indischen Wurzeln hatte sich selbst um die demokratische Präsidentschaftskandidatur beworben und unterstützt seit ihrem Ausscheiden aus dem Vorwahlkampf Biden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Juni 2020 um 08:44 Uhr.

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