Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Biden bei seiner Reise nach Kenosha. | AP

Besuch in Wisconsin Biden trifft Familie von Jacob Blake

Stand: 04.09.2020 05:15 Uhr

Bei seinem Besuch in Wisconsin traf US-Demokrat Biden die Familie des Schwarzen Jacob Blake und sprach mit dem Verletzten am Telefon. In den Unruhen der vergangenen Wochen sieht Biden auch eine Chance zur Veränderung.

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden sieht in den Unruhen der vergangenen Wochen in Kenosha auch eine Möglichkeit zur Veränderung. "Wir sind jetzt endlich an dem Punkt angelangt, an dem wir uns mit der Erbsünde dieses Landes befassen, der 400 Jahre alten (...) Sklaverei und all ihren Überresten", sagte Biden bei einem Treffen mit Gemeindemitgliedern in der Grace Lutheran Kirche in Kenosha.

Zuvor hatte er mit dem schwer durch Polizeischüsse verletzten Schwarzen Jacob Blake und dessen Familie am Telefon gesprochen und auch Angehörige Blakes persönlich getroffen. "Ich kann nicht sagen, dass wenn Gott mich morgen zum Präsidenten machen würde, dann könnte ich nicht garantieren, dass alles in vier Jahren gelöst wird", sagte Biden. Aber "es wäre deutlich besser, wir würden ein deutliches Stück weiterkommen", wenn US-Präsident Donald Trump nicht wiedergewählt würde.

Treffen auch mit Gemeindemitgliedern in Kirche

Persönlich traf Biden im US-Staat Wisconsin auf Blakes Vater, Schwestern und Bruder, telefonisch zugeschaltet waren auch Blakes Mutter und Anwälte. Nach dem mehr als eine Stunde dauernden Privatgespräch ging es für Biden in die seit dem Vorfall von Unruhen geplagte Stadt Kenosha. Dort war Blake am 23. August vor den Augen seiner Kinder mehrfach in den Rücken geschossen worden und ist nach Angaben der Familie nun querschnittsgelähmt. Der Vorfall löste Proteste gegen rassistische Polizeigewalt und schwere Ausschreitungen aus, bei denen zwei Menschen erschossen wurden, mutmaßlich von einem 17-Jährigen.

In der Kirche hörte Biden Berichten von Gemeindemitgliedern zu. Sie sei 31 Jahre alt und "müde" und habe Angst um ihre drei schwarzen Kinder, sagte Porsche Bennett, eine Aktivistin für die Rechte von Schwarzen in Kenosha. "So viele Jahrzehnte lang wurde uns gezeigt, dass wir nicht zählen." Michelle Stauder, eine 60-jährige Lehrerin im Ruhestand, sagte, Biden sei "hier und verbreite das Wort des Friedens und Wiederaufbaus."

Biden folgt auf Trump

Bidens Reise nach Wisconsin folgte auf Präsident Trump, der den Staat am Dienstag besucht und sich in Kenosha bei der Polizei für deren Einschreiten gegen Gewalt bedankt hatte. Blakes Familie traf er nicht. Für Empörung sorgte, dass Trump die tödlichen Schüsse des 17-Jährigen auf zwei Demonstranten nicht verurteilt hat.

Wisconsin dürfte bei der Präsidentschaftswahl im November einer der umkämpftesten US-Staaten werden. Biden stellt sich im Wahlkampf als Figur dar, die das gespaltene Land wieder einen kann. Trump dagegen setzt auf die Botschaft von Recht und Ordnung, die nur mit ihm an der Spitze des Landes wiederhergestellt werden könnten. Der demokratische Gouverneur Tony Evers kritisierte, dass die beiden überhaupt nach Wisconsin reisten. Er hätte bevorzugt, wenn weder "Kandidat Trump oder Kandidat Biden" gekommen wären, sagte er.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. September 2020 um 03:20 Uhr sowie Inforadio am 03. September 2020 um 08:00 Uhr.