Joe Biden und Kamala Harris stellen ihr Team im Queen Theatre in Wilmington vor. | dpa

Biden stellt Kabinett vor Viele Etablierte, viele Premieren

Stand: 25.11.2020 08:54 Uhr

Spekulationen um die Besetzung der künftigen US-Regierung gab es seit Wochen - jetzt hat der designierte US-Präsident Biden sein Kabinett vorgestellt. Bei der Besetzung der Posten setzte er auf Vielfalt und vor allem Erfahrung.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Am Schluss wandte sich Joe Biden direkt an die Amerikaner: "Dieses Team wird uns stolz machen, Amerikaner zu sein", versprach der künftige Präsident. Es verkörpere seine Grundüberzeugung, dass Amerika am stärksten sei, wenn es mit seinen Verbündeten zusammenarbeite. Es spiegele wider, dass Amerika zurück sei und bereit, die Welt anzuführen.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Diese Philosophie verkörpert vor allem Antony Blinken, der im Januar Außenminister werden soll. Der 58-Jährige ist unter anderem in Paris aufgewachsen, er stammt aus einer Einwandererfamilie, er hat unter Präsident Barack Obama gearbeitet und ist ein wichtiger Berater von Joe Biden. Amerika brauche jetzt Kooperation und Zuversicht, sagte er, weil "Amerika, wenn es am besten ist, immer noch die meisten Möglichkeiten aller Staaten hat, andere zusammenzubringen und den Herausforderungen der Zeit zu begegnen".

Bilderstrecke

Bidens Personalentscheidungen

Glaube an den sozialen Aufstieg

Auch wenn alle in Bidens Team etablierte Kräfte sind und seit Jahrzehnten in ihrem Bereich arbeiten, so gibt es doch viele Premieren. Alejandro Mayorkas etwa, 60 Jahre alt, in Kuba geboren, wird der erste Latino sein, der je den Posten des Heimatschutzministers übernimmt. Avril Haines wird als erste Frau die Arbeit der US-Geheimdienste koordinieren.

Und John Kerry, der frühere Außenminister, wird den neu geschaffenen Posten des Sonderbeauftragten für den Klimaschutz besetzen, ein Kernthema für Biden. Er will am ersten Tag seiner Amtszeit die USA zurück ins Pariser Klimaabkommen führen. Aber das Abkommen allein sei nicht genug, sagte Kerry. Er sieht einen aufregenden Weg vor sich. Klimaschutz bedeute, Millionen von Jobs für die Mittelschicht zu schaffen, sauberere Luft und Ozeane und ein gesünderes Leben für Menschen in aller Welt.

Linda Thomas-Greenfield wird die USA bei den Vereinten Nationen vertreten. Sie erinnerte daran, dass ein Aufstieg wie ihrer nur in den USA möglich gewesen sei - "wo das Leben hart und grausam sein kann, wo es aber Hoffnung im Kampf gibt und Verheißung in unseren Träumen", sagte die Diplomatin und Afroamerikanerin, die seit 35 Jahren im Außenministerium arbeitet.

Nationaler Sicherheitsberater wird Jake Sullivan, der mit seinen 43 Jahren einer der jüngsten auf diesem Posten sein wird.

Allianzen werden hervorgehoben

Auffällig war der durchgehend respektvolle Ton, der sich deutlich von dem des scheidenden Präsidenten Donald Trump unterschied. Viel war von Verbündeten und Allianzen die Rede, von Pflichtgefühl und Demut, von Dank an Amerika. Sie habe immer an den Adel des öffentlichen Dienstes geglaubt, sagte Kamala Harris, die künftige Vizepräsidentin. "Diese Amerikaner verkörpern ihn."

Nicht dabei war Janet Yellen. Die 74 Jahre alte frühere Chefin der Notenbank Fed soll laut Medienberichten Finanzministerin werden. Sie wäre die erste Frau auf diesem Posten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. November 2020 um 06:09 Uhr.