Amazon-Chef Bezos | Bildquelle: AFP

Fotos in Boulevardzeitung Amazon-Chef wirft "Enquirer" Erpressung vor

Stand: 08.02.2019 05:54 Uhr

Es klingt zunächst wie übler Tratsch, doch es steckt mehr dahinter. Amazon-Chef und "Washington Post"-Besitzer Bezos wirft dem "Enquirer" vor, ihn mit intimen Fotos zu erpressen. Das Boulevardblatt gehört einem Trump-Vertrauten.

Amazon-Chef Jeff Bezos hat dem US-Boulevardblatt "National Enquirer" Erpressung mit übelsten Methoden vorgeworfen. In einem offenen Brief erklärte der Unternehmer, das Blatt habe mit der Veröffentlichung intimer Privatfotos und SMS-Nachrichten gedroht, falls er von ihm initiierte Untersuchungen gegen die Zeitschrift nicht einstellen sollte.

Hintergrund ist Bezos' Trennung von seiner Ehefrau und seine Beziehung mit einer anderen Frau. Das Ehepaar hatte im vergangenen Monat bekanntgegeben, dass es sich nach 25 Jahren scheiden lassen will. Wenig später machte der "National Enquirer" die Affäre des Amazon-Chefs mit der früheren TV-Moderatorin Lauren Sanchez öffentlich und verbreitete dabei unter anderem intime Textnachrichten und Fotos von ihm.

Bezos beschuldigt Verlagschef Pecker

Bezos hat nach eigenen Angaben untersuchen lassen, wie das Boulevardblatt an seine SMS-Nachrichten und privaten Fotos gekommen ist. Er beschuldigte den Chef des "Enquirer"-Verlags American Media Inc. (AMI), David Pecker, hinter dem Erpressungsversuch zu stehen. Mittelsmänner von Pecker hätten ihm zu verstehen gegeben, er solle mit seinen Nachforschungen aufhören. Andernfalls würde der Verleger weitere Fotos von ihm und seiner Geliebten öffentlich machen - darunter auch Nacktaufnahmen.

AMI habe von ihm zudem eine öffentliche Stellungnahme verlangt, in der er erklären sollte, dass das Blatt in seiner Berichterstattung nicht politisch motiviert oder beeinflusst sei. Statt sich der Erpressung zu beugen und dem Vorschlag eines geheimen Deals mit AMI zuzustimmen, habe er sich entschlossen, die Drohungen publik zu machen, schrieb Bezos in dem offenen Brief.

"Washington Post" gehört dem Amazon-Chef

Der Boulevardblatt-Verleger Pecker ist ein langjähriger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump. Bezos wiederum hatte vor sechs Jahren eine der renommiertesten Zeitungen der USA aufgekauft - die "Washington Post". Sie ist eine der Zeitungen, denen Trump regelmäßig vorwirft, dass sie Fake News verbreite.

"Wir wissen, dass Pecker regelmäßig negative Geschichten über Trump aufgekauft und die dann nicht veröffentlicht hat. Diese Geschichten sind gestorben, weil Pecker einfach ein guter Freund von Trump ist", erklärt Frederic Lardinois. Er ist Reporter bei der Technologie-Website Techcrunch.com und berichtete auch immer wieder über Amazon - jenes Unternehmen, das Bezos die vergangenen fast 25 Jahre aufgebaut hat und das ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht hat.

Den Spieß umdrehen

Den Arbeitsmethoden des Verlagsimperiums von Pecker hat Bezos nun den Kampf angesagt. "Wenn ich mich in meiner Position nicht gegen diese Erpressung erheben kann, wie viele Leute können es dann?", fragt er in seinem offen Brief. "Natürlich will ich keine persönlichen Fotos veröffentlicht sehen, aber ich werde auch nicht bei ihren allseits bekannten Erpressungsmethoden mitmachen, bei ihren politischen Gefälligkeiten, politischen Attacken und Korruption." Er habe sich stattdessen dafür entschieden, den Spieß umzudrehen - und zu "sehen, was dadurch zum Vorschein kommt".

Amazon-Chef Bezos wirft Boulevard-Blatt Erpressung vor
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
08.02.2019 05:43 Uhr

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Mit Informationen von Markus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 08. Februar 2019 um 11:24 Uhr.

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