Die Umweltaktivisten Litokne Kabua (l-r) von den Marshallinseln, Raina Ivanova aus Deutschland, und Carlos Manuel aus Palau. | Bildquelle: dpa

Beschwerde gegen Klimapolitik Jugendliche fordern "bessere Entscheidungen"

Stand: 23.09.2019 21:59 Uhr

Zusammen mit Greta Thunberg haben Jugendliche aus zwölf Ländern bei den Vereinten Nationen eine Kinderrechtsbeschwerde zum Klimawandel eingereicht. Unter ihnen ist auch eine 15-Jährige aus Hamburg.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

"Das Überraschendste war, auf wie viele unterschiedliche Weisen wir alle vom Klimawandel betroffen sind und wie unterschiedlich wir sind, aber dass wir trotzdem alle im selben Boot sitzen und zusammengehören", sagt Raina Ivanova. Sie steht unter dem Eindruck des heißen Sommers in Deutschland: Schulstunden, in denen sich kaum jemand konzentrieren konnte, Klassenzimmer, die mittlerweile alle eine Klimaanlage benötigt hätten.

"Möchte, dass unsere Stimme gehört wird"

Die Hitze war ihr unheimlich. Deshalb ist sie jetzt in New York. "Meine Freunde sind von dem gleichen Problem betroffen. Ich möchte einfach, dass unsere Stimme gehört wird, und dass die Erwachsenen darauf reagieren und bessere Entscheidungen treffen."

Von denen soll auch Rainas kleine Schwester profitieren. "Ich bin hier für sie", sagt Raina. "Sie ist so viel jünger als ich, und wenn sich die Konsequenzen noch stark zuspitzen, wird sie viel stärker davon betroffen sein. Ich sehe, wie traurig es sie macht, wenn sie daran denkt."

Die Umweltaktivistin Raina Ivanova aus Deutschland | Bildquelle: AFP
galerie

Raina Ivanova aus Hamburg will mit der Beschwerde die Politiker zum Handeln bewegen.

"Ihr habt uns betrogen"

Die 15-jährige Hamburgerin gehört zu einer Gruppe von Mädchen und Jungen im Alter zwischen acht und 17 Jahren, denen es reicht: Sie werfen den Staaten vor, zu wenig gegen den Klimawandel zu tun. Damit verstießen diese gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist unter ihnen. Sie hatte gerade vor den Staats- und Regierungschefs des Klimagipfels ihre Wut über das Nichtstun gegen die Katastrophe ausgedrückt. "Ihr habt uns betrogen", sagte sie. "Aber die jungen Menschen haben euch durchschaut. Die Augen aller künftigen Generationen liegen auf euch. Und wenn ihr uns betrügt, sage ich: Wir werden euch niemals vergeben."

Die 16 Kinder und Jugendlichen aus vielen Teilen der Welt klagen in ihrer Beschwerde den Tod von Nachbarn durch Umweltkatastrophen an, die Bedrohung traditioneller Lebensweisen, Gesundheitsrisiken und psychische Belastungen. "Ich glaube, dass wir das Ruder herumreißen können und es schaffen werden, den Klimakampf zu gewinnen", sagt Raina.

Greta Thunberg redet vor UN | Bildquelle: REUTERS
galerie

Greta Thunberg zeigte sich vor der UN-Vollversammlung wütend über die Staats- und Regierungschefs.

Beschwerde gegen fünf Staaten

Unterstützt wird die Gruppe von der gemeinnützigen Umweltorganisation Earthjustice und einer internationalen Anwaltskanzlei. Die Beschwerde trifft fünf G20-Mitglieder: Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und die Türkei. Sie gehörten zu den größten Schädigern des Klimas und verstießen damit gegen die Konvention zum Schutz der Kinderrechte, heißt es in der Beschwerde.

Dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gehören 18 Kinderrechtsexperten an. Dieser Ausschuss wird darüber befinden müssen, ob er die Beschwerde annimmt. Dann müssten die betreffenden Regierungen dazu Stellung nehmen.

Deutsche reicht mit Greta und 14 Jugendlichen Rechtsbeschwerde zum Klima ein
Antje Passenheim, ARD New York
23.09.2019 21:17 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 23. September 2019 um 21:05 Uhr und 23:05 Uhr.

Darstellung: