Ein junges Paar betrachtet den neuen Fernseher an Heiligabend (Aufnahme aus den 1950er Jahren) | Bildquelle: picture-alliance / Helga Lade Fo

Umfrage "eupinions" Nostalgie hat Konjunktur

Stand: 05.11.2018 10:02 Uhr

War die Welt früher ein besserer Ort? Ja, sagen 67 Prozent in einer Bertelsmann-Umfrage in fünf EU-Staaten. Besonders nostalgisch sind die Italiener. Auffällig: Männer trauern der Vergangenheit eher nach als Frauen.

Zwei Drittel der Europäer sind einer Umfrage zufolge der Meinung, die Welt sei früher ein besserer Ort gewesen. Das ist das Ergebnis der repräsentativen "eupionions"-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung unter fast 11.000 Menschen aus fünf europäischen Ländern.

Die Italiener sind mit 77 Prozent besonders nostalgisch, die Polen mit 59 Prozent hingegen deutlich weniger. In Deutschland geben 61 Prozent der Bevölkerung an, die Welt sei früher eine bessere gewesen. In Frankreich und Spanien ist die Situation ähnlich wie in Deutschland.

Männer sind nostalgischer als Frauen

Jeder zweite der Nostalgiker verortet sich eher rechts im politischen Spektrum. Sie seien in der Regel deutlich kritischer gegenüber dem Thema Einwanderung. 53 Prozent von ihnen sind demnach überzeugt, dass Einwanderer den Einheimischen "Jobs wegnehmen". Mehr als drei Viertel (78 Prozent) stimmten der Aussage zu, dass "Einwanderer sich nicht in die Gesellschaft integrieren möchten".

Bei Nicht-Nostalgikern sind die Zahlenwerte genau umgekehrt: Von ihnen sieht lediglich ein Drittel Einwanderer als Konkurrenten am Arbeitsmarkt. 63 Prozent sind hingegen der Meinung, dass Einwanderung grundsätzlich gut für die Wirtschaft des Heimatlandes sei. Doch zweifeln auch fast zwei Drittel an dem Integrationswillen von Zuwanderern. Die Mehrheit der Nicht-Nostalgiker (58 Prozent) sieht sich eher links.

Interessant ist auch ein Blick auf die Altersstruktur: Je älter die Befragten, desto eher seien sie nostalgisch eingestellt. So zeigten sich bei den 56- bis 65-Jährigen über zwei Drittel (70 Prozent) dafür empfänglich. Bei den Unter-25-Jährigen war es die Hälfte (52 Prozent). Über alle Altersgruppen hinweg sehen Frauen (47 Prozent) die Vergangenheit seltener positiv (53 Prozent).

Bloß keine "Nostalgie-Rhetorik"

"Nostalgie ist ein Indiz für ein hohes Maß an Verunsicherung in der Gesellschaft", sagte Mitautorin Isabell Hoffmann. Die Nostalgiker zeichne weniger EU-Skepsis aus, sondern ihre negative Sicht auf Einwanderung und Migration sowie die Sorge vor Terrorismus. Der wohlwollende Blick in die Vergangenheit könne da Halt bieten.

Die Autoren der Studie appellierten an die bürgerlichen Parteien, sich von populistischer "Nostalgie-Rhetorik" abzugrenzen und konstruktive Gespräche zu suchen. "Wenn Parteien Ängste und Unsicherheiten für ihre Wahlerfolge ausnutzen, um eine nie dagewesene goldene Vergangenheit zu beschwören, ist das fahrlässig", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart De Geus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 05. November 2018 um 16:30 Uhr in den Wissensnachrichten.

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