Bernie Sanders beim Parteitag der Demokraten in Philadelphia

US-Präsidentschaftskandidatur Die "Bernie-Revolution" geht weiter

Stand: 19.02.2019 17:39 Uhr

Senator Sanders hatte im US-Vorwahlkampf vor vier Jahren überraschend stark abgeschnitten. Nun kündigte der 77-jährige "demokratische Sozialist" erneut seine Bewerbung an. Die "Bernie-Revolution" geht also weiter.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

US-Senator Bernie Sanders ist bereits der zwölfte Präsidentschaftsbewerber, der sich an den Vorwahlen der Demokraten beteiligen und anschließend Präsident Donald Trump herausfordern will. Der parteiunabhängige Politiker aus Vermont, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, gab seine Kandidatur in einem über die sozialen Medien verbreiteten Video bekannt. Dort sagt er:

"Hallo, ich bin Bernie Sanders, und ich will Präsident werden. Ich bitte euch heute, Teil einer nie dagewesenen Graswurzel-Bewegung zu werden: eine Million Aktivisten in jedem Bundesstaat unseres Landes."

Vor vier Jahren überraschend stark

Die "Bernie-Revolution" geht also weiter. Vor vier Jahren hatte Sanders im Vorwahlkampf überraschend stark abgeschnitten und nur knapp gegen die Demokratin Hillary Clinton verloren. Seitdem ist Sanders zum Vordenker der Linksliberalen in den USA geworden.

Wichtigstes Ziel sei es jedoch zunächst, Trump aus dem Weißen Haus zu vertreiben, sagte Sanders im Interview mit CBS. "Es ist unbedingt erforderlich, dass Donald Trump geschlagen wird. Es ist nicht akzeptabel und unamerikanisch, dass wir einen Präsidenten haben, der ein krankhafter Lügner ist, ein Rassist, ein Sexist und Fremdenhasser."

Deutlich größeres Bewerberfeld

Trotz des diesmal deutlich größeren Bewerberfeldes, in dem sich jetzt bereits mehrere linksliberale Senatorinnen tummeln, rechnet sich Sanders gute Siegeschancen aus. Schließlich kämpfe er seit langem für politische Ziele, die bis vor kurzem als zu links für Amerika galten, heute jedoch von fast allen Demokraten befürwortet werden.

"Eine Krankenversicherung für alle, höhere Mindestlöhne, Abschaffung der Studiengebühren an öffentlichen Universitäten - all diese Ideen galten damals als so radikal. Drei Jahre später sind sie Teil des politischen Mainstreams", sagte Sanders.

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Diese US-Demokraten wollen Präsident werden

Das Feld der Präsidentschaftsbewerber bei den US-Demokraten wird immer größer:

Seitenansicht des Weißen Hauses in Washington

1600 Pennsylvania Avenue, besser bekannt als das Weiße Haus in Washington: Hier würden zahlreiche US-Demokraten gerne ab Januar 2021 ihren Hauptwohnsitz nehmen - als 46. US-Präsident. Die Zahl der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur wächst und wächst. Noch nie zuvor war das Kandidatenfeld so vielfältig. Ein Favorit aber lässt sich noch nicht ausmachen. Ein Überblick. | Bildquelle: AFP

Von manchen verehrt, bei anderen unbeliebt

Sanders sieht sich unter vielen Nachahmern als das Original. Vor allem unter jungen Wählern wird der kauzige Senator wie eine Ikone verehrt. Dennoch gilt sein fortgeschrittenes Alter als Nachteil. Im Falle eines Wahlsiegs wäre Sanders mit 79 Jahren der älteste Präsident, der ins Weiße Haus einzieht.

Und noch ein Manko hat Sanders: Bei afroamerikanischen Wählern und anderen ethnischen Minderheiten kommt der "ältere Herr aus dem weißen Neu-England-Staat Vermont" nicht besonders gut an.

Trump freut sich

Auf jeden Fall wird es in dem großen Bewerberfeld der Demokraten diesmal schwieriger für Sanders als vor vier Jahren gegen Clinton. Trump jedenfalls freut sich auf das Rennen um die Gunst der linken Basis. Schon jetzt warnt er bei jeder Gelegenheit: "Sie rutschen an den linken Rand. Wir wollen nicht, dass dies in unserem Land geschieht. Sozialismus funktioniert nun mal nicht gut."

Auch deshalb wird erwartet, dass in den kommenden Wochen weitere Demokraten ihre Kandidatur erklären, die eher für eine Politik der Mitte stehen. Immer wieder werden der frühere Vizepräsident Joe Biden, der frühere Gouverneur von Colorado, John Hickenlooper, aber auch der frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, genannt.

Bernie Sanders tritt erneut als Präsidentschaftsbewerber an
Martin Ganslmeier, ARD Washington
19.02.2019 16:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. Februar 2019 um 15:03 Uhr.

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