Banff-Nationalpark in Kanada | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Nach Lawine in Kanada Leichen der Bergsteiger gefunden

Stand: 22.04.2019 11:08 Uhr

In Kanada sind die drei Leichen der vermissten Bergsteiger David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley gefunden worden. Offenbar wurden die Ausnahme-Alpinisten Opfer eines Lawinenunglücks.

Die Leichen der drei vermissten Bergsteiger Hansjörg Auer, David Lama und Jess Roskelley sind gefunden worden. Das teilte die Nationalparkverwaltung mit und sprach den Angehörigen ihr Beileid aus.

Die drei Alpinisten wurden seit Dienstag vermisst. Sie wollten einen Berg im Banff-Nationalpark in der Provinz Alberta in Kanada besteigen - die Route gilt als sehr schwierig.

Rettungskräfte suchten das Gebiet nach der Vermisstenmeldung aus der Luft ab. Zwischenzeitlich musste der Einsatz wegen des schlechten Wetters und der Gefahr weiterer Lawinenabgänge unterbrochen werden. Nach dem Fund der Kletterausrüstung gingen die Behörden vom Tod der Bergsteiger aus.

Ein Leben für die Berge

David Lama | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon
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Ihr Sohn habe für die Berge gelebt, sagen die Eltern von David Lama.

Die Eltern des Innsbruckers David Lama veröffentlichten eine Mitteilung auf dessen Internetseite, mit der Bitte, die Menschen mögen ihren Sohn "mit seiner Lebensfreude, seiner Tatkräftigkeit und mit Blick Richtung seiner geliebten Berge in Erinnerung" behalten. Ihr Sohn habe für die Berge gelebt, seine Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen habe die Familie geprägt und begleitet.

Roskelleys Vater John Roskelley, sagte gegenüber der US-Zeitung "Spokesman-Review", die Route, die sein Sohn gehen wollte, sei zum ersten Mal im Jahr 2000 bewältigt worden. "Es ist eine dieser Routen, bei der die Bedingungen perfekt sein müssen, sonst wird es zum Albtraum. Genau das ist passiert."

Jess Rosskelley | Bildquelle: AP
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Jess Roskelley im Jahr 2003, als er im Alter von 20 Jahren den Mount Everest bestieg.

Der Tiroler David Lama galt in der Kletterszene als Ausnahmetalent. Er wurde zweimal Jugend-Weltmeister und gewann mit 16 bereits Vorstieg- und Boulder-Weltcups. 2009 sicherte er sich WM-Bronze im Vorstieg. Im Oktober 2018 gelang ihm die Erstbesteigung des etwa 6900 Meter hohen Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler.

Hansjörg Auer machte vor allem auf sich aufmerksam, weil er komplizierte Routen ohne jede Sicherung kletterte. Auch ihm gelangen zudem einige Erstbegehungen.

Jess Roskelley hatte 2003 gemeinsam mit seinem Vater den Mount Everest bestiegen. Zu diesem Zeitpunkt war er 20 Jahre alt und damit der jüngste Bergsteiger, der den höchsten Berg der Welt bezwang.

Hansjörg Auer | Bildquelle: picture alliance / rtn - radio t
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Auch Hansjörg Auer prägte die Kletterszene.

"Überflieger im positiven Sinne"

Bekannte Bergsteiger als auch österreichische Politiker zeigten sich betroffen von dem Lawinenunglück. "Meine Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei der Familie und den Freunden der beiden jungen Tiroler", twitterte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz schrieb in dem Kurznachrichtendienst: "David Lama und Hansjörg Auer haben in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Erfolgen die internationale Kletter- und Alpinszene geprägt. Meine Gedanken sind bei den Familien und Freunden der beiden Tiroler".

Bergsteigerlegende Reinhold Messner sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, es sei ein sehr schlimmes Unglück. Der Unfall zeige, dass das traditionelle Bergsteigen, bei dem man sich in die "absolute Wildnis" begebe und dabei alles selber mache, "wahnsinnig gefährlich" sei. Bergsteiger Peter Habeler bezeichnete Lama als "Ikone". "Das waren die Besten der Besten. Überflieger im positiven Sinne."

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 22. April 2019 um 06:30 Uhr.

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