Nikol Paschinjan | via REUTERS

Konflikt um Bergkarabach Offenbar Anschlag auf Paschinjan vereitelt

Stand: 15.11.2020 07:07 Uhr

Nach der unter Vermittlung Russlands ausgehandelten Waffenruhe mit Aserbaidschan steht Armeniens Regierungschef Paschinjan in der Kritik. Vielfach wird ihm Verrat vorgeworfen. Offenbar gab es nun sogar konkrete Anschlagspläne gegen ihn.

Armeniens Sicherheitsdienste haben nach eigener Darstellung einen Anschlag auf Regierungschef Nikol Paschinjan vereitelt. Der Geheimdienst NSS erklärte, drei Personen seien festgenommen worden.

Wie es hieß, wurde zudem ein Waffenlager ausgehoben. Demnach sei ein Anschlag auf Paschinjan und eine "anschließende Machtübernahme" geplant gewesen, da diese Gruppe mit der Innen- und Außenpolitik des Regierungschefs nicht einverstanden gewesen sei. Zu den Festgenommenen gehören den Angaben zufolge der Ex-NSS-Chef Artur Vanetsjan und der ehemalige Fraktionschef der Republikaner im Parlament, Vahram Baghdasarjan.

Scharfe Kritik an Paschinjan

Regierungschef Paschinjan steht nach seiner Zustimmung zur Waffenruhe in der Enklave Bergkarabach bei zahlreichen Armeniern in der Kritik. Bei Protesten gegen seine Entscheidung war er auch als Verräter tituliert worden.

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Armenien und Aserbaidschan hatten sich über Wochen schwere Kämpfe um Bergkarabach geliefert. Dort leben überwiegend christliche Armenier. Völkerrechtlich gehört die Region im Südkaukasus zum mehrheitlich zum islamischen Aserbaidschan, von dem es sich aber 1991 losgesagt hatte.

Unter Vermittlung Russlands war Anfang der Woche eine Waffenruhe ausgehandelt worden, die die Kämpfe beenden soll. Das Abkommen sieht vor, dass beide Länder in Bergkarabach die Gebiete behalten können, über die sie derzeit die Kontrolle haben. Für Armenien bedeutet das große Verluste, da Aserbaidschan während der wochenlangen Gefechte große Teile der Südkaukasus-Region erobern konnte.

Bewohner zünden Häuser an

Im Dorf Charektar im zu Bergkarabach gehörenden Bezirk Kalbajar zündeten armenische Bewohner ihre Häuser an. Bereits am Freitag hatten Dutzende Bewohner des Dorfes und aus der Umgebung damit begonnen, das eigene Heim in Flammen zu setzen. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP begründete einer der Armenier dieses Handeln damit, dass die Häuser nicht aserbaidschanischen Soldaten in die Hände fallen sollen.

In der Hauptstadt Eriwan gehen seit Tagen zahlreiche Bürger auf die Straße, um gegen den Kompromiss zu protestieren und den Rücktritt von Regierungschef Nikol Paschinjan zu fordern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. November 2020 um 20:00 Uhr.