Ein von der armenischen Regierung veröffentlichtes Foto soll den abgestürzten russischen Militärhubschrauber Mi-24 zeigen. | Bildquelle: via REUTERS

Krieg um Bergkarabach Russischer Hubschrauber abgeschossen

Stand: 09.11.2020 19:21 Uhr

Im Bergkarabach-Konflikt hat Aserbaidschan offenbar versehentlich einen russischen Hubschrauber abgeschossen. Das Außenministerium entschuldigte sich und will Russland finanziell entschädigen.

Im Krieg um Bergkarabach ist ein russischer Militärhubschrauber Mi-24 abgeschossen worden. Er sei auf armenischem Gebiet abgestürzt, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Dabei seien zwei Besatzungsmitglieder getötet, ein weiteres verletzt worden.

Der Hubschrauber habe nach einem Raketenbeschuss die Kontrolle verloren und sei in einer Bergregion nahe der Grenze zur aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan abgestürzt. Zu dem Vorfall sei es außerhalb der Kampfzone in Bergkarabach gekommen, hieß es. Sie liegt mehr als 100 Kilometer entfernt davon. Armenien als Verbündeter Russlands sicherte Unterstützung bei der Aufklärung zu.

Laut Nachrichtenagentur Reuters entschuldigte sich das aserbaidschanische Außenministerium für den Abschuss und sprach von einem "Zwischenfall". Man sei bereit, Russland für den Verlust eine Entschädigung zu zahlen.

Armenier befürchten Niederlage

In dem Konflikt um Bergkarabach sind aserbaidschanische Truppen weiter auf dem Vormarsch. Am Wochenende hatte Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev verkündet, die strategisch wichtige Stadt Schuscha eingenommen zu haben.

Der Anführer der überwiegend von Armeniern bewohnten Region, Wagram Pogossjan, räumte nun ein, dass die Stadt nicht mehr unter Kontrolle von Bergkarabach sei. "Leider verfolgt uns eine Serie der Misserfolge, und die Stadt Schuschi ist komplett außerhalb unserer Kontrolle", sagte Pogossjan.

Screenshot Schuscha: Menschenleere Straße, an deren Ende eine Moschee steht. | Bildquelle: dpa
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Schuscha - die Armenier sprechen von Schuschi - gilt als strategisch wichtige Stadt, weil sie unweit der Hauptstadt Stepanakert liegt.

"Unsere Existenz ist in Gefahr"

Schuschi, wie die Karabach-Armenier die Stadt nennen, liegt nur elf Kilometer von der Hauptstadt Stepanakert entfernt. Sie dürfte das nächste Ziel Aserbaidschans sein. "Der Feind steht vor Stepanakert, nun ist schon unsere Existenz in Gefahr", schrieb Pogossjan bei Facebook.

Schuscha gilt als Schlüsselstadt; die Behörden in Bergkarabach hatten selbst mitgeteilt, dass ihr Verlust am Ende auch eine Niederlage im Kampf um die ganze Region bedeuten könne. In Baku hatte Aliyev verkündet, dass der Sieg in dem Konflikt mit Armenien nah sei. Er schrieb auf Twitter, weitere 23 Ortschaften unter aserbaidschanische Kontrolle gebracht zu haben. "Es lebe die aserbaidschanische Armee!", "Karabach ist Aserbaidschan!", twitterte er.

Aliyev hatte am Sonntag in Baku die Eroberung Schuschas feiern lassen. "Das ist ein großer Sieg!", sagte er. Aliyev sprach nun davon, dass ein Lebensziel in Erfüllung gehe. "Die Wiederherstellung der territorialen Unversehrtheit und die Rückkehr unserer Gebiete war für mich als Präsident die wichtigste Mission."

Armenien: Feindliche Angriffe abgewehrt

Das armenische Verteidigungsministerium erklärte, die Streitkräfte des Landes hätten heute in verschiedenen Richtungen feindliche Angriffe abgewehrt. Demnach gab es besonders schwere Kämpfe um Martuni, Martakert, Tagaward und andere Ortschaften. Überall seien die Attacken zurückgeschlagen worden. Die Truppen in Bergkarabach verloren bei den Kämpfen mit Aserbaidschan nach eigener Darstellung erneut Dutzende Soldaten.

International nicht anerkannt

Bergkarabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 1990er-Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik Bergkarabach wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die umstrittene Kaukasus-Region war Ende September wieder voll entbrannt. Seit Beginn der Kämpfe wurden nach offiziellen Angaben beider Konfliktparteien mehr als 1000 Menschen getötet. 

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