John Bercow im britischen Unterhaus | Bildquelle: AP

Britisches Parlament Wer ruft das Unterhaus künftig zur "Order"?

Stand: 04.11.2019 10:02 Uhr

Zehn Jahre lang prägte John Bercow die Debatten des britischen Unterhauses mit seinen markanten "Order!"-Rufen. Heute wird sein Nachfolger gewählt. Für Premier Johnson dürfte es wieder ein unangenehmer "Speaker" werden.

Wer in der Nachfolge von John Bercow künftig "Order, order!" im britischen House of Commons ruft, wird wohl erst nach einem längeren Verfahren feststehen: Öffentlich haben bisher drei Männer und vier Frauen ihre Kandidatur angekündigt.

Am Nachmittag ab 15:30 Uhr stellen sich die Kandidaten der Reihe nach dem Parlament vor. Anschließend wird solange in geheimer Wahl abgestimmt, bis ein Bewerber die absolute Mehrheit erhält. Das kann dauern. In jeder Runde scheiden der Abgeordnete mit den wenigsten Stimmen sowie alle Kandidaten mit weniger als fünf Prozent Zustimmung aus.

"Speaker" für einen Tag

Als Favoriten gelten die Labour-Abgeordneten Lindsay Hoyle, der bereits seit neun Jahren einer der stellvertretenden Parlamentspräsidenten ist, und Harriet Harman, die dienstälteste Parlamentarierin. Von den Konservativen werden Eleanor Laing die besten Chancen eingeräumt. Alle drei gelten als Verfechter der Abgeordnetenrechte - gegenüber der Regierung, aber auch in der Öffentlichkeit.

Chris Bryant von Labour rechnet sich gute Chancen aus, weil er für seine Bewerbung Unterschriften von Politikern aus gleich fünf Parteien vorlegen konnte. Beworben haben sich außerdem Meg Hillier und Rosie Winterton. Auch der konservative Brexit-Hardliner Edward Leigh tritt bei der Wahl an.

Da die Regierung von Premierminister Boris Johnson keine Mehrheit im Unterhaus hat, dürfte sie wieder mit einem für sie unangenehmen Parlamentspräsidenten konfrontiert werden.

Der oder die Neue darf auf dem Speaker-Sessel nur noch einen Tag Platz nehmen - bis zur Auflösung des Unterhauses in der Nacht zu Mittwoch für die anstehende Neuwahl am 12. Dezember. Dann muss auch der "Speaker" im Amt bestätigt werden. Nach den Parlamentswahlen 2015 und 2017 geschah dies jeweils ohne Wahl.

Lindsay Hoyle | Bildquelle: AFP
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Als Favoriten bei der Wahl zum "Speaker" gelten Lindsay Hoyle...

Harriet Harman | Bildquelle: AP
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...und Harriet Harman. Beide sind Labour-Abgeordnete.

Zehn Jahre Bercow

Der Parlamentspräsident hat eine zentrale Rolle im Unterhaus inne. Er erteilt und entzieht Abgeordneten das Wort, entscheidet über die Zulässigkeit von Anträgen und vertritt die Kammer unter anderem gegenüber der Königin und dem Oberhaus.

Unterhaus in London | Bildquelle: AP
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Zehn Jahre Bercows Wirkungsstätte: Das britische Unterhaus.

Bercow, der mit seinen markanten "Order!"-Rufen international Bekanntheit erlangte, war der 157. "Speaker" und seit 2009 im Amt. Im Streit über den geplanten EU-Austritt des Landes kritisierten vor allem Brexit-Hardliner den Politiker als parteiisch. Mehrmals setzte sich der 56-Jährige über Konventionen hinweg, damit sich die Abgeordneten im Streit mit der Regierung durchsetzen konnten. Bercow rechtfertigte das mit einem immer autoritärer werdenden Regierungsstil. Viele Parlamentarier lobten, er habe die Rechte des Unterhauses gegenüber der Regierung gestärkt.

Mit Informationen von Christoph Heinzle, ARD-Studio London

Britisches Unterhaus wählt Nachfolger von Speaker Bercow
Christoph Heinzle, ARD London
04.11.2019 09:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2019 um 06:20 Uhr.

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